Jan 07

Anmerkung: Dieser Beitrag wurde 2009 verfasst.

  

Die Bundesregierung hat erst mal Steuersenkungen beschlossen. Selbst innerhalb der Regierung ist das umstritten. Es kommt den Steurzahlern zu Gute, jedoch nicht in gleichem Maße für alle, vor allem nicht für die Gering-Verdienenden.

Die Entlastung für das Hotelgewerbe wird nicht für mehr Personal umgesetzt sondern für Investitionen in Sachgüter und Immobilienausstattung.

Es erinnert irgendwie an die Abwrackprämie, deren Mitnahmeeffekte höher war als der Nutzen. Und 2010 fällt der PKW-Konsum dann ab?

Doch trotzdem ist die Steuersenkung eine große Chance, und zwar wenn die Finanzkrise überwunden wird und Wirtschaftswachstum einsetzt, denn dann besteht die Chance, dass die Steuereinnahmen durch die Multiplikatoren sogar steigen!

Man sollte der Steuersenkung also diese Chance geben, und die Konsum- und Investitionsquote steigern, als Verbraucher und als Staat. Dann ist ein positiver makroökonomischer Effekt möglich.

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Jun 19

Die Finanzmarktkrise hat über 50 Billionen Dollar weltweit verbrannt. Diese enorme Summe war ein Folge unkontrollierter Gier, unverantwortlichen Handelns und Versagens der Kontrollmechanismen weltweit. Niemand hörte auf die Warnungen die von führenden Investoren und Notenbankern kamen, niemand achtete genügend auf die Entwicklung an den Zins- und Hypothekenmärkten,  jeder war „greedy“ und dachte, dass es schon „schon gut gehen werde“.

Aufgrund akuter Risikopositionen nur um ein oder gar ein halbes Prozent mehr zu verdienen schwappten die Gift-Bonds (Asset Backed Securities) und Müll-Obligationen (Colleteralized Debt Obligations)  auch  nach Europa.

Eine genügende  Regulierung der  Finanzmärkte war in Deutschland von der Politik und den Parteien letztlich immer verhindert worden,  der Turbo-Kapitalismus trieb seine Blüten: viele Kreditinstitute mit klarem Auftrag zur Förderung der Wirtschaft oder des Mittelstandes (z.B. SachsenLB, KfW) gingen spekulative Risikopositionen mit Geldern ein, welche in erster Linie zur Versorgung von Nicht-Banken mit Krediten gedacht waren. Doch solche Spekulationen, oder das (spätere) Parken ihres Kontingents an einem EZB-Tender auf der EZB selber scheint für die Kreditwirtschaft lukrativer zu sein!.

Was hätte man alles sinvolles mit zumindest einem Teil  des Geldes machen können, wieviele Existenzen retten und sichern, wieviele sinnvolle Investitionen tätigen können?

Und wie unkontrolliert hat die Politik reagiert: als das Kind in den Brunnen gefallen war, hiess es bei den Banken überall „Too big to fail“  und die Systemrelevanz wurde ausgerufen. War das wirklich überall der Fall?

Im Falle der Hypo Real Estate beispielsweise, gab es sicherlich einige sinnvollere Alternativen, als die quasi Haftungsübernahme des Staates sowie dessen Einstieg als Aktionär (z.B. Commerzbank). Denn mit diesem Geld hätten sinnvollere Investitionen getätigt werden können, z.B. in die IT-Wirtschaft, in der Forschung, im Maschinenbau oder im Bereich Kernfusionsforschung.

Warum kann nicht die Heuschrecke die drin sitzt mal die Zeche zahlen, anstatt sich immer nach getaner Sättigung mit einem lauten Rülpser zu verabschieden, Herr Flowers? Soll der kleine Steuerzahler dafür sein letztes Hemd opfern? Wohl kaum! Die Einführung von Bad Banks tat ein übriges an unsinniger Wirtschaftspolitik.

Denn die Spitze der Unverschämtheit ist erreicht, wenn ehemalige Verantwortliche die offensichtlich versagt haben, dann noch auf Kosten des Steuerzahlers ein Gehalt und Boni einklagen, wie im Fall der HRE, oder sich aus Steuergeldern zur Rettung des Konzerns Boni auszahlen, wie im Fall der AIG (American International Group). Und das während einer Supermarkt-Kassiererin wegen 1,3 Euro Fehlverhaltens die Stelle gekündigt wird, und das nach vielen Jahren Loyalität zum Arbeitgeber.

Kann dieses System noch gerettet werden? Es gehören gewaltige Reformen mit mehr Fingerspitzengefühl her. Basel II und III bzw. die Stresstests sind nicht ausreichend und nur halbherzig in der Ausführung, zumal die EZB Teil des Problems selber geworden ist. Negative Zinsen auf Sparguthaben, mögliche Enteignungen von Bankkunden sowie eín schlecht kontrollierter Wildwuchs von Finanzinstrumenten und -derivaten führen zu einer Verselbständigung der Finanzbranche als L’Art pour l’Art, eben zum Selbstzweck!

Also meine Herren: ist etwas systemrelevant, wenn das System nicht mehr relevant ist? Wohl kaum, denn für wen noch? Ein paar kurzsichtige Herren die auf der ganzen Linie versagt haben und uns dann noch abzocken mit einem unglaublich frechen Grinsen im Gesicht? Mit Verlaub, wenn dann nicht vernünfigere Massnahmen greifen können, dann sollte man deren Treiben zumindest durch Gesetze einen Riegel vorschieben.

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Jun 19

Spieltheorie

In der Spieltheorie werden Thesen aufgestellt, wie Spieler bzw. Wirtschaftsakteure Entscheidungen in bestimmten Situationen treffen und bei welchen Voraussetzungen. Man unterscheidet verschiedene Grade der Information (vollständige, vollkommene, perfekte Information) oder auch Lösungskonzepte und Strategien (reine und gemischte Strategie, Wahrscheinlichkeitsverteilungen).

Nash Gleichgewicht

Das Nash Gleichgewicht ist in Nicht-kooperativen Spielen erreicht, wenn eine Art strategisches Gleichgewicht durchgehend herrscht, d.h., kein einzelner Spieler (Wirtschaftsakteuer, Oligopolist) einen wirtschaftlichen Vorteil erreichen kann, in dem er einseitig von seiner Strategie abweicht bzw. eine andere Strategie einschlägt.

Nash Optimum

Wesentlich für das Nash Optimum wiederum ist, dass dort nicht das Optimum von Einzelnen gesucht wird, sondern von Gruppen. In der angebotsorientierten Wirtschaftstheorie ging man von Adam Smith aus, der postulierte, dass das volkswirtschaftliche Optimum erreicht wird, wenn jeder sein eigenes Optimum sucht. Das bedeutet, dass man annimmt, dass  jeder sein wirtschaftliches Verhalten optimiert und dadurch das Optimum der Bevölkerung des Wirtschaftsraumes automatisch erreicht wird, da jeder sein Potential voll ausschöpft.

Dies funktioniert jedoch aus verschiedenen Gründen nicht: es gibt unterschiedliche Formen der Arbeitslosigkeit (z. B. strukturell, friktionell, Langzeitarbeitslosigkeit usw.) sowie unterschiedliche Bildungsmöglichkeiten und unterschiedliche Möglichkeiten der eigenen Verwirklichung aus finanziellen, familiären oder Millieu-bedingten Gründen. Weiterhin existieren heute verwaltungstechnische und politische sowie markttechnische (z. B. hohe Markteintrittsbarrieren) Hürden und Hindernisse. Beispielsweise ist es für einen 30- oder 40-jährigen Hartz IV Empfänger oft sehr schwierig einen adäquaten Job oder für einen 16 bis 20 Jährigen die Finanzierung einer Ausbildung zu bekommen, die seinen Fähigkeiten angemessen ist.

Grundeinkommen – Bürgergeld

Das Bürgergeld (bedingungsloses lebenslanges Grundeinkommen) wäre nach Meinung des Autors in der Lage, viele dieser Hindernisse zu beseitigen, da die Wirtschaftsakteure nun unabhängig von etwaigen finanziellen Sorgen einen Ihnen angemessene Ausbildung und Bildung wählen können, um ihr Potential zu verwirklichen.

Es lernt sich ohne großen Druck auch besser (wie der Savant Daniel Tammet uns lehrt: Lerne mit Spass!) und eine Familie lässt sich auch leichter gründen um dabei glücklich zu sein. Weiterhin besteht durch das Bürgergeld eine gewisse Zukunftssicherheit, welche Bildung, Arbeit und Konsum und die Einstellung dazu fördern.

Ein weiteres Argument ist, dass das Bürgergeld durch Transferleistungen des Staates heute schon zum Teil ausgegeben wird und lediglich zur Absicherung von Existenzen verwendet wird. Das Bürgergeld ist also schon praktisch finanziert, wird jedoch sinnvoller eingesetzt. Eine Anhebung der Mehrwertsteuer wäre notwendig, jedoch fallen die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung und Rentenversicherung, also ein Grossteil der Lohnnebenkosten, weg.

Weiterhin kann man aus der Natur des Menschen schließen, dass nicht mehr Leute, als diejenigen die das heute schon tun, sich auf dem Bürgergeld ausruhen werden. Ein Grossteil der Bevölkerung ist arbeitswillig, in welchen Branchen auch immer und die Schwarzarbeit wird zurück gehen.

Das Wesentliche für die Volkswirtschaft ist jedoch, dass das kreative und leistungsbezogene Potential der Leute freigelegt wird. Es wird voraussichtlich zu einem nicht unerheblichen positiven makroökonomischen Impuls kommen. Dafür sorgen auch die (Steuer)Multiplikatoren, die durch eine verbesserte Arbeitsplatzgenerierung und entsprechendem Konsumverhaltens seitens der finanziell freieren Bürger bedient werden.  Das Bürgergeld bedeutet eine lebenslange Zahlung des Staates an alle Bürger von Geburt an, von ca. 800 Euro netto plus Krankenversicherung, unabhängig vom späteren Einkommen oder dem Einkommen der Eltern. Das spätere Einkommen wird hinzuverdient, und zwar zu 100 %.  Nur das macht wahrscheinlich wirklich Sinn.

Dem Einwand, „nur wem das Bürgergeld nicht reicht wird arbeiten“  kann entgegen gehalten werden, dass die Hauptantriebsquelle für Arbeit nicht   eigentlich im Geld liegt, und genau da ist der Knackpunkt: viele Leute müssen zwar arbeiten wegen dem Geld, würden aber lieber etwas anderes tun, und da setzt der reine Homo Oeconomicus aus, denn es kommen sozial-psychologische Faktoren und Fun-Faktoren hinzu: sie würden gerne was anderes arbeiten, was mit Spass und Leistung zu tun hat, jedoch mit weniger Zwang zum Geld verdienen, das Geld verdienen käme dann von alleine, so die Hypothese. Denn die Leute wollen nicht faul zu Hause rumsitzen, fast niemand will das. Eine Arbeit die zudem noch Spass macht, daran fehlt es! Und dann kann man auch produktiver arbeiten und effektiver und die Arbeit ist wieder für den Menschen selber und nicht für einige Wenige die davon letztlich profitieren.

Es gibt dafür ein Beispiel:  jemand aus England hatte im Lotto gewonnen und seinen Job bei einem Burgerladen gekündigt. Dann, nach ein paar Monaten nahm er den Job wieder auf! Er hatte es satt zu Hause rumzusitzen!

Der Grund für Arbeit ist in erster Linie eine Folge von : Eltern lieben Kind, Jugendliche(r)  macht Ausbildung,  in Ausbildung erlernte Fertigkeiten machen Spaß, man sucht sich einen Job um glücklich zu sein und eine Familie zu gründen,  das Geld verdienen sollte Nebensache sein.

Das Bürgergeld löst auch Adam Smith’s Paradigma ab und erschließt ein mögliches volkswirtschaftliches Optimum nahe dem Nash Optimum: nämlich ein Optimum von Gruppen der Bevölkerung!

Weiterführender Link: Ulmer Modell und Grundeinkommen (Prof. Helmut Pelzer und Dr. Ute Fischer Bedingungsloses Grundeinkommen für alle

Ulmer BGE-Modell:  Homepage des Ulmer BGE-Modells

Prof Götz Werner zum Grundeinkommen 1/4

 

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