Jun 19

Kapitel 6

Bentzinger ging an den Rand des Saales. Mehrere Laser scannten ihn. Das Licht an der Schleuse wechselte auf Grün. Mit einem leisen Zisch gingen das Innen- und das Aussenschott auf. Er steuert direkt auf sein Büro zu, dass auf derselben Etage lag. Susanne passte ihn unterwegs ab.

„Herr Bentzinger, ich habe einige Anfragen verschiedner PTs und PVMs vorliegen. Sie schienen sehr besorgt. Sie fragen alle was vor sich geht. Ich habe Ihnen alles als Intragrid –Memo geschickt.“

„Danke, Susanne. Mach mir was von dem starken Zeug. Diesen Tee mit Whisky-Derivat ohne Alkohol. Wir haben eine lange Nacht vor uns.“

„Kommt sofort!“

Bentzinger ging zu seinem Schreibtisch. Er gab ein Memo an alle PTs heraus indem die Lage erklärt wurde. Er schrieb nicht was man genau plante. Das war geheim. Ein weiteres Memo wurde in einer gesicherten Leitung an alle wichtigen Vertrauensleute der PTs geschickt. Diese wurden eingeweiht.

Bentzinger lehnte sich zurück und entspannte sich. Der Tee wurde von einem Roboter gebracht. Er schlürfte daran und grübelte. Der Plan war nicht schlecht. Wenn alles exakt und schnell arbeiten sollte das uns der Lösung einen entscheidenden Schritt weiterbringen. Hmm, sollte eigentlich, oder ? Irgendwas ist unstimmig. Wie machen die das nur? Woher haben die diese Rechenkapazität? Oder brauchen die das gar nicht? Und wer sind die???

Bentzinger ging in sein Adressbuch und öffnete die Nummer für den Abwehrdienst der Lunaren PT. Krensfeldt ist es den ich brauche. Er war Sonderbeauftragter des Abwehrdienstes für technische Fragen und V-Männer.

Er liess sich verbinden. Krensfeldt war nicht in seinem Büro.

„Susanne, mach bitte über die Satellitennavigation den Standort von Krensfeldt aus und verbinde mich über eine Kryptoleitung mit seinem Mobilen Gridempfänger. Wenn es geht soll er an einem der Grid Hot Spots der PTs andocken.“

Bentzinger wartete zwei Minuten, dann kam ein Signalton in seinem Gridkom.

„Herr Bentzinger, was kann ich für Sie tun ?“

„Hallo Herr Krensfeldt, wir haben hier einige Probleme wie Sie wissen. Gibt es irgendwelche Nachrichten aus Ihrem Umfeld bezüglich der gestohlenen Punkte?“

„Nun, ich habe da einige V-Männer in verschiedenen Milieus. Wir haben noch keine gesicherten Erkenntnisse, aber es deutet einiges darauf hin, dass wir erhöhte Nachrichtenaktivitäten auf bestimmten Grid-Kanälen zwischen Afrika und Japan haben. Genaues kann ich noch nicht sagen. Wenn sich die Information bestätigt, dann kommt das Ganze aus den höheren Finanzkreisen Japans. Wer die in Afrika sind, wir glauben, es handelt sich um Südafrika, wissen wir noch nicht. Weiterhin haben unsere Abwehrspider ungewöhnliche Aktivitäten in einigen zentralen PTs in Frankreich, Kanada und Australien festgestellt. Wir sind noch bei der Datenauswertung. Näheres kann ich Ihnen erst in ca. 2 Stunden sagen.“

„Danke, Herr Krensfeldt. Ich kümmere mich mal um die Aktivitäten bei den zentralen PTs. Halten Sie mich auf dem Laufenden!“

„Wird gemacht.“

‚Ich muss mir einen Plan von der Situation machen’, sinierte Bentzinger vor sich hin. ‚Wenn wir die Motivation der Angreifer besser kennen würden, könnten wir besser antizipieren was passieren wird. Die Profiler müssen ran !’

Im ausgehenden 21. Jahrhundert hat sich nicht nur das technische und ökonomische Umfeld verändert. Was den Menschen wichtig war, war die Veränderung des Wertesystems. Anfang des Jahrhunderts waren noch Dinge wie finanzielle Macht, gesellschaftliches Ansehen, Zugriff auf Ressourcen wie Öl oder Rechenzeit, Gesellschaftlicher Status oder allgemeine Machtbefugnisse per Position oder Grösse der Armee eines Staates wichtig. Investitionen eines Landes in Zukunftsfelder waren bedeutend, der Strukturwandel brachte viele Leute um ihren Job. Im Laufe der Zeit änderte sich einiges. Der technische Fortschritt und die politischen und wirtschaftlichen Allianzen ermöglichten es auf einem höheren Niveau zu denken und zu handeln. Jedem konnte eine gute Mindestvoraussetzung geboten werden. Und da jeder mit Bildungspunkten geboren wurde, war ein Universitätsabschluss nicht mehr so sehr von der Herkunft abhängig. Die Leute suchten nach neuen Zielen. Nach Visionen. Sie wurden gefunden in der Selbstverwirklichung in einem hochstehendem System; man arbeitete nicht mehr so sehr gegeneinander. Mobbing beispielsweise ging zurück, da es genügend Arbeitsplätze gab. Die neuen Industrien in allen Bereichen, sei es Unterhaltung, Kultur, Technik, Terraforming oder moderne Architektur boten für jeden etwas. Diejenigen, die nicht begabt genug waren um sich eine gute Position zu erkämpfen konnten dennoch gut leben. Wettbewerb sah man eher sportlich. Man lebte länger und hatte Aussicht bei einer Pleite von allen erdenklichen Seiten unterstützt zu werden und einen Neuanfang machen zu können. Es gab sogar Sonderpunkte für Leute die Konkurs anmelden mussten. Niemand stürzte mehr ins soziale Abseits.

Probleme gab es natürlich trotzdem. Die Gesellschaft differenzierte sich zunehmend. Das birgt ein Kommunikationsproblem und das Aufeinandertreffen unterschiedlichster Lebensmodelle. Aber das war früher auch schon so. Und heutzutage waren die sozialen Probleme erheblich milder!

‚Und hier liegt auch der Schlüssel für das Verständnis der Motivation unserer Punktediebe’, überlegte Bentzinger weiter. ’ Was hatten die davon? Es wird Ihnen eine Menge Ärger bringen; sie können damit nicht durchkommen, können sie einfach nicht Also, was erhoffen die sich davon? Wollen sie einfach beweisen, dass es geht? Oder wollen sie zerstörend wirken, eine Art moderner Terrorismus? Oder hatten die einen Masterplan, der sie in die Lage versetzt, die Situation wirtschaftlich auszubeuten? Dann müssten einige von ganz oben mitwirken. Die Japaner? Wen kenne ich aus Tokio? Wir müssen uns um Japan und den ASIEN – Block kümmern! ’

Ein rotes Licht flackerte auf Bentzingers Haupt-Gridkom. Die Zeit war um. Er wird im grossen Kommunikationssaal erwartet.

Als er ankam waren schon alle da.

„Es sind noch genau 7 Minuten. Wir haben Nachricht von Long Island, dass die modifizierte Betaversion fertig ist“, unterrichtete Prof. Segenhert alle Anwesende.

„So langsam wird es spassig“, pflichtete Santer Segenhert bei. „Das Ganze erinnert mich an eine Zirkusnummer. Der Löwe sitzt seelenruhig da und überlegt sich, durch den Reif zu springen. Wird er, oder wird er nicht.“

„Tja, was ist besser, Fleisch nach der Nummer zu bekommen, oder lieber lebendiges Fleisch? Ist er wild oder ist er zähmbar. Wir werden es sehen!“, führte Santer seine Allegorie fort.

„Wie werden es sehen“, stieg Berenger darauf ein. „Aber ich tippe auf Fleisch nach der Vorstellung, dazu sind die viel zu intelligent. Ob sie auch smart sind, werden wir auch sehen. Denn das müssen sie sein, um von ihrer Aktion zu profitieren!“

Darius Bentzinger nickte.

„Eventuell wollen sie auch was ganz anderes erreichen. Systemverbesserer, Punkte-Terroristen, oder einfach uns zwei Schritte voraus. Irgendetwas Entscheidendes wissen wir noch nicht, sage ich euch. Ich verwette meine Historische Punktekollektion an denjenigen, der mir da einen Hinweis gibt.“

„Ja, Cyber-Terroristen sind es wohl auch“, fügte Zed hinzu, „aber welche mit extraordinären Kenntnissen auf den Gebieten der Mathematik und entsprechendem Wissen in Biosignaturen von Punkten.“

„Hosanna, Du sagst es. Ich höre schon Stimmen von meinem Orakel; ja, das Orakel der PT sagt mir dauernd wo die Rechenkapazitäten stehen, die sie zweifelsohne dafür brauchen müssten“, orakelte Berenger.

„Oder sie machen das irgendwie anders. Aber Schluss jetzt mit den Spekulationen. Die schiessen mir sonst zu sehr ins Kraut. Ich werde nach der Beta Aktion noch mal Krensfeldt kontaktieren. Bald müsste auch der erste Bericht der Profiler vorliegen“, beendete Bentzinger die Diskussion.

Ein Countdown erschien auf den Hauptschirmen des Saales. Long Island meldete sich:“ Wir beginnen jetzt in T-30 Sekunden mit der Einspeisungssequenz. Vorbereitende Massnahmen laufen. Wir sind jetzt Online mit dem Haupt-Punkte Cluster. Die modifizierte Betasignatur steht auf dem Einspeisungsserver bereit.

Die Produktivsysteme werden heruntergefahren. Der Einspeisungscache ist aktiviert.

Die Einspeisung erfolgt in 5 -4 -3 -2 -1 jetzt!

Einspeisungsvorgang erfolgreich. Signaturüberprüfung auf Identität erfolgt.

Überprüfung auf Integrität des Systems erfolgt.

Ergebnis: Positiv.

Check auf Fremdprogramme. Ergebnis: Negativ.

Überprüfung läuft auf dem Haupt-Cluster der terrestrischen PT.

Ergebnis: Negativ.

Gegencheck auf dem Haupt-Cluster der lunaren PT.

Ergebnis: Negativ.

Check auf 3 weiteren zufällig ausgewählten Testsystemen.

Ergebnis: Negativ.

Letzter Check. Verbinde 4 Haupt-Cluster zu einem sich gegenseitig überprüfendem System. Überprüfungsnetzwerk gestartet.

Ergebnis: Keine Fremdeinwirkung. Biosignatur ist authentisch.

In Ordnung, wir können den Produktiv-Cluster wieder hochfahren. Es geht weiter mit dem Plan von Foster. Die Kommunikationssequenzen auf allen Gridkanälen der solaren PTs laufen an. Jeder wird informiert, per Grid-Mail, per Holo-TV, per Brief, per Nachricht auf den Punktetransformern. Wir verfolgen die Punkte mit unseren Spidern und Scannern. Ende der Sequenz.“

Gespannte Stille war im Raum.

Bentzinger durchbrach das Schweigen: „Los Leute, ran an die Buletten. Lasst uns die Tracing – Spider ansehen. Foster, wie lange wird es dauern, bis wir eine Proliferation von 50 % in der Bevölkerung haben ?“

„Etwa 2 Tage doch uns interessieren nur grössere Ströme. Speziell zwischen Frankreich und Japan, bzw. die Achse Paris-Tokyo und zwischen Südafrika und Japan, die Achse Johannesburg-Tokyo. Erste Ergebnisse erwarte ich innerhalb der nächsten 6-12 Stunden.“

geschrieben von Sternau \\ tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

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