Jun 19

Kapitel 8

Bentzinger grübelte vor sich hin. Ohne Designer Drogen war es manchmal schwer dem Druck standzuhalten. Das Gehirn braucht heutzutage Ablenkung. Der Informationsoverkill macht manchen ganz schön zu schaffen; neues Suchtpotential, neue neurologische Krankheiten, alles schien aus den Fugen, zwischenmenschlich war es nicht einfach. Wer erinnert sich schon an seine Träume, seine echten oder die im Schlaf? Charlize? Ja, er träumte unentwegt von seinem Schatz. Das half ihm diesen Belastungen standzuhalten. Darf er das vor seinen Mitarbeitern zugeben? Er musste doch den Perfekten spielen, den Alleskönner, alles geht – kein Problem. Er lachte. Wenn das nur immer so wäre. Wieviel seiner Persönlichkeit lag auf der Strecke um hier hinzukommen? Madelaine? Tja, Madelaine ist die zweite Frau in seinem Leben, nun, eigentlich seine First Lady. Madelaine konnte den Designer Drogen auch widerstehen. Doch sie widerstand wie er der Karriere nicht. Meine Madelaine…., eine führende Persönlichkeit bei der UN-CDC, der Gesundheitsbehörde der UN …. und Bioinformatikerin war sie auch. Eine perfekte Frau eben. Mit kleinen Macken, aber liebenswürdig, mit Herz Seele und Verstand. Wo findet man das heute noch?

„Susanne, bitte stell mich zu Charlize durch, Danke.“

„Vati, was gibt’s denn? Wir sind noch bei der Anlayse und beim Planen. Hmm, diesen Blick kenne ich bei Dir. Was ist den los mit Dir?“

„Ach nichts, es ist immer dasselbe. Ich habe gerade meinen schwachen Punkt erreicht. Ich bräuchte jetzt ne Punk Droge glaube ich.“

„Du kommst über die Trennung nicht hinweg, gell? Mir geht es ja auch so, wir waren doch so eine tolle Familie. Aber wir müssen das auf später verschieben. Ich jedenfalls will es anders machen, wenn das überhaupt geht. Meine Kinder sollen in einem anderen Bewußtsein aufwachsen. Karriere und gesellschaftlicher Status sind nicht alles. Wir wollen eine Familie bleiben, auch wenn ich nicht mit Zed verheiratet bin. Wir halten zusammen. Er ist ein fürsorglicher und liebenswerter Vater. Ich bin ganz guter Dinge. Manchmal sind da auch Schatten. Auch ich träume Cyber-Träume. Beinahe bin ich von dieser Apparatur süchtig geworden. Aber es hilft manchmal und tröstet über einiges hinweg. Du weißt ja wie hoch die Leistungsanforderungen heutzutage sind. Das hält ja kaum einer noch aus. Wir sind da manchmal alle überfordert. Dieses System haben wir uns perfekt ausgedacht. Es lässt uns keine Ruhe, bindet uns voll ein, lässt uns nicht mehr los, fordert alles und ein Fehler und alles ist aus. Aber was rede ich da, das weißt du doch alles nur zu gut. Wenn wir das hier überstanden haben müssen wir mal tabula rasa machen und uns zurückbesinnen. Back to the roots, sofern das überhaupt noch möglich ist. Wir müssen uns ernsthaft Gedanken machen was zu ändern. So geht es nicht weiter. Der technische Fortschritt hält uns in den Bann. Marketing Welten und Banana Rama bestimmen unser Konsumverhalten. Da bleibt kaum noch Platz für echte Gefühle, zwischenmenschliche Begegnungen. Keine Heucheleien. Du solltest Mama mal wider anrufen. Vielleicht kannst du ihre Hilfe jetzt brauchen. Man, Pappa, du bist der erste Mann der Lunaren PT, Du darfst jetzt keine Schwäche zeigen!“

„Ja ich weiss. Ich bin auch darauf trainiert. Das schaffe ich schon. Sobald ich etwas Zeit habe werde ich Madelaine kontaktieren. In der jetzigen Situation kann das wirklich helfen.“

„Herr Bentzinger, die ersten Ergebnisse der Spider und Profiler sind da“, unterbrach ihn Susanne.

„OK, bestell bitte alle in 10 Minuten in den grossen Kommunikationssaal.“

„Charlize, ich habe meine Familie vernachlässigt für die große Karriere und jetzt tut es mir etwas leid. Ich fühle manchmal eine gewisse Leere und Ohnmacht. Manchmal hält mich nur noch die Arbeit und die Verantwortung aufrecht. Aber das darf ich mir nicht anmerken lassen. Ich schaffe das auch, aber Du hast recht, wir müssen einiges überdenken. In meiner Position kann man auch etwas ändern, vielleicht, etwas anschieben. Aber vieles ist im Vergleich zu früher schon besser geworden. Wenn nur dies Träume nicht wären. Und dieses Gefühl, ich weiß nicht, es ist auch ein verändertes Lebensgefühl. Alles ist etwas in der Zwischenwelt, nebulös, transformierbar, austauschbar. Manchmal fühle ich mich auch schlapp und ersetzbar. Aber der Erfolg gab mir letztendlich recht. Früher war ich immer meiner Sache so sicher. Heute sind mir Zweifel gekommen. Manchmal fühle ich Unsicherheit, Zweifel oder Misstrauen und Missgunst. Auch die Sache welcher wir jetzt auf der Spur sind ist nicht nur von technischer oder wirtschaftlicher Natur. Ich spüre da einen größeren Hintergrund. Eventuell gesellschaftlicher Art. Etwas versucht Einfluss zu nehmen. Mein Gott Charlize, es ist wie in einem schlechten Film, alles wird Wirklichkeit. Ich habe nie getraut darüber zu sprechen, aber wir müssen uns in diesen Punkten vertrauen. Haha Punkten… Auf der Gefühlsebene tut sich einiges in mir … ich glaube manchmal ich müßte auch so eine Cybertraum Apparatur benutzen. Ich sollte mal mit Madelaine darüber reden. Sie wird wissen was zu tun ist.“

„Mir geht es ganauso, Pappa. Wir müssen uns jetzt aber auf unsere Aufgabe konzentrieren. Los, gehen wir es an. Wir sehen uns dann im K-Saal.“

„Bis gleich.“

Darius Bentzinger machte sich auf. Wenn er Chef der Mars PT und der solaren PT werden will muss er sich gerade jetzt bewähren. Das würde er schon schaffen. Er ballte die Faust. ‚Ich komme dahinter. Dahinter und weiter, immer weiter.’ Nicht umsonst ist er ein Sofortumschalter, weiß sich immer der Situation anzupassen.

Im K-Saal angekommen registrierte er, dass alle schon anwesend waren und heftig miteinander diskutierten. Er ging auf seine Platz und eröffnete die Sondersitzung offiziell.

„Also, was ist bis jetzt passiert?“

„Wir sind ein Stück weitergekommen“, antwortete Prof Segenhert. Die Einspielung der modifizierten Beta Version ist erfolgreich gewesen, soweit wir das bis jetzt sagen können. Die Spider registrieren ein Proliferation von bis jetzt 9,8 % mit stark steigender Tendenz. Die Leute und Organisationen springen auf unser Programm an. Die Profiler haben auch schon einige Erfolge zu melden. Wie erwartet gibt es in den Großräumen Johannisburg, Paris und Tokio eine sehr große Adaption der neuen Version. Die Analyse zeigt, dass die Punkte auf sehr viele Träger verteilt wurden. Es handelt sich dabei um viele Einzelpersonen und einige Organisationen. Wir versuchen jetzt genau den Weg zurückzuverfolgen. Dieser Weg wird uns Aufschluss geben über die Verteilungslogistik unserer Zielpersonen. In Long Island sind wir dabei die nächste Sicherheitsstufe der Biosignatur zu erstellen. Sie wird bereits in wenigen Stunden verfügbar sein, so dass wir, falls die Notwendigkeit besteht, das System bezüglich der Punktediebe dicht machen können. Krensfeldt berichtet, dass es sich seiner Meinung nach nicht um reine Diebe handelt. Ich verwende deswegen eher den Ausdruck Cyber-Terroristen. Welche Ziele sie haben, ob politisch, wirtschaftlich oder finanziell, religiös oder sonst was wissen wir noch nicht. Wir analysieren noch die technischen Möglichkeiten dieser Leute, das soziale Umfeld und ihre Motivation.

Die V-Männer haben entsprechende Aktivitäten in genannte Räumen gemeldet. Es muss eine Vielzahl von Trägern geben und ich weiss nicht, wie die es schaffen könnten, die Biosignatur der Punkte so schnell und ohne weiteres zu ändern um eine solche Verbreitung unter diesen Trägern zu ermöglichen. Das müssen wir noch genauer hinsehen.

Die Akzeptanz bei der Bevölkerung läuft gut. Es findet ein regelrechter Run auf unsere Gewinnspiele und Möglichkeiten die Sonderbonuspunkte zu ergattern statt. Die Inflation dabei ist nicht von Relevanz. Wir können locker die Produktion von Waren hochfahren indem wir Notkapazitäten aktivieren.

Soweit so gut. Ich bin mir nur nicht sicher, ob unsere Cyber-Terroristen das wirklich geschluckt haben.

„Ja, das ist ein entscheidender Punkt“, bestätigte Bentzinger. „Hier müssen wir jede Bewegung genauestens aufzeichnen und analysieren. Diesen Leuten ist jede Finte zuzutrauen. Wie können wir festmachen, ob sie was gemerkt haben?“

„ Wir können eigentlich nur auf Unregelmässigkeiten bei der Verteilung bzw. Konzentration der Punkte achten“, antwortete Segenhert.“ Solange sie sich nicht durch Anti-Aktivitäten enttarnen können wir es nicht mit Bestimmtheit sagen. Gibt es keinerlei Unregelmässigkeiten, können wir die Verteiler und Träger aufspüren, dann können wir davon ausgehen, dass alles nach Plan verläuft, aber nicht mit 100 prozentiger Sicherheit. Ein Restrisiko bleibt da.“

„Gründliche Untersuchung unserer Verteiler -und Adoptionsserver, sprich unsere Master- und Spiegelserver, die Transformerstationen sind Voraussetzung dafür“, ergänzte Berenger.“ Jede Punktetransformation, jeder Biosignaturübergang, jeder Rollback muss aufgezeichnet und überprüft werden. Die Spider und Profiler wurden extra dafür kalibriert. Unser mathematischer Code funktioniert bis jetzt, soweit wir das wissen. Die vielen Träger der neuen, modifizierten Beta Version machen mir Kopfzerbrechen. Wie konnten die neuen Punkte so schnell auf so viele Leute übertragen werden? Die müssen doch sich erst bei den lokalen PTs anmelden um ihre Punktetransformer einzustellen. Dann müssen die Punkte übertragen werden und die Biosignatur angepasst werden. Das kann bei dem einen oder anderen mal schneller gehen, aber nicht so schnell und bei so vielen Leuten gleichzeitig.

geschrieben von Sternau \\ tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Hinterlasse ein Kommentar

blogoscoop