Jun 19

Die Finanzmarktkrise hat über 50 Billionen Dollar weltweit verbrannt. Diese enorme Summe war ein Folge unkontrollierter Gier, unverantwortlichen Handelns und Versagens der Kontrollmechanismen weltweit. Niemand hörte auf die Warnungen die von führenden Investoren und Notenbankern kamen, niemand achtete genügend auf die Entwicklung an den Zins- und Hypothekenmärkten,  jeder war „greedy“ und dachte, dass es schon „schon gut gehen werde“.

Aufgrund akuter Risikopositionen nur um ein oder gar ein halbes Prozent mehr zu verdienen schwappten die Gift-Bonds (Asset Backed Securities) und Müll-Obligationen (Colleteralized Debt Obligations)  auch  nach Europa.

Eine genügende  Regulierung der  Finanzmärkte war in Deutschland von der Politik und den Parteien letztlich immer verhindert worden,  der Turbo-Kapitalismus trieb seine Blüten: viele Kreditinstitute mit klarem Auftrag zur Förderung der Wirtschaft oder des Mittelstandes (z.B. SachsenLB, KfW) gingen spekulative Risikopositionen mit Geldern ein, welche in erster Linie zur Versorgung von Nicht-Banken mit Krediten gedacht waren. Doch solche Spekulationen, oder das (spätere) Parken ihres Kontingents an einem EZB-Tender auf der EZB selber scheint für die Kreditwirtschaft lukrativer zu sein!.

Was hätte man alles sinvolles mit zumindest einem Teil  des Geldes machen können, wieviele Existenzen retten und sichern, wieviele sinnvolle Investitionen tätigen können?

Und wie unkontrolliert hat die Politik reagiert: als das Kind in den Brunnen gefallen war, hiess es bei den Banken überall „Too big to fail“  und die Systemrelevanz wurde ausgerufen. War das wirklich überall der Fall?

Im Falle der Hypo Real Estate beispielsweise, gab es sicherlich einige sinnvollere Alternativen, als die quasi Haftungsübernahme des Staates sowie dessen Einstieg als Aktionär (z.B. Commerzbank). Denn mit diesem Geld hätten sinnvollere Investitionen getätigt werden können, z.B. in die IT-Wirtschaft, in der Forschung, im Maschinenbau oder im Bereich Kernfusionsforschung.

Warum kann nicht die Heuschrecke die drin sitzt mal die Zeche zahlen, anstatt sich immer nach getaner Sättigung mit einem lauten Rülpser zu verabschieden, Herr Flowers? Soll der kleine Steuerzahler dafür sein letztes Hemd opfern? Wohl kaum! Die Einführung von Bad Banks tat ein übriges an unsinniger Wirtschaftspolitik.

Denn die Spitze der Unverschämtheit ist erreicht, wenn ehemalige Verantwortliche die offensichtlich versagt haben, dann noch auf Kosten des Steuerzahlers ein Gehalt und Boni einklagen, wie im Fall der HRE, oder sich aus Steuergeldern zur Rettung des Konzerns Boni auszahlen, wie im Fall der AIG (American International Group). Und das während einer Supermarkt-Kassiererin wegen 1,3 Euro Fehlverhaltens die Stelle gekündigt wird, und das nach vielen Jahren Loyalität zum Arbeitgeber.

Kann dieses System noch gerettet werden? Es gehören gewaltige Reformen mit mehr Fingerspitzengefühl her. Basel II und III bzw. die Stresstests sind nicht ausreichend und nur halbherzig in der Ausführung, zumal die EZB Teil des Problems selber geworden ist. Negative Zinsen auf Sparguthaben, mögliche Enteignungen von Bankkunden sowie eín schlecht kontrollierter Wildwuchs von Finanzinstrumenten und -derivaten führen zu einer Verselbständigung der Finanzbranche als L’Art pour l’Art, eben zum Selbstzweck!

Also meine Herren: ist etwas systemrelevant, wenn das System nicht mehr relevant ist? Wohl kaum, denn für wen noch? Ein paar kurzsichtige Herren die auf der ganzen Linie versagt haben und uns dann noch abzocken mit einem unglaublich frechen Grinsen im Gesicht? Mit Verlaub, wenn dann nicht vernünfigere Massnahmen greifen können, dann sollte man deren Treiben zumindest durch Gesetze einen Riegel vorschieben.

geschrieben von Sternau \\ tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

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