Jun 19

Kapitel 8

Bentzinger grübelte vor sich hin. Ohne Designer Drogen war es manchmal schwer dem Druck standzuhalten. Das Gehirn braucht heutzutage Ablenkung. Der Informationsoverkill macht manchen ganz schön zu schaffen; neues Suchtpotential, neue neurologische Krankheiten, alles schien aus den Fugen, zwischenmenschlich war es nicht einfach. Wer erinnert sich schon an seine Träume, seine echten oder die im Schlaf? Charlize? Ja, er träumte unentwegt von seinem Schatz. Das half ihm diesen Belastungen standzuhalten. Darf er das vor seinen Mitarbeitern zugeben? Er musste doch den Perfekten spielen, den Alleskönner, alles geht – kein Problem. Er lachte. Wenn das nur immer so wäre. Wieviel seiner Persönlichkeit lag auf der Strecke um hier hinzukommen? Madelaine? Tja, Madelaine ist die zweite Frau in seinem Leben, nun, eigentlich seine First Lady. Madelaine konnte den Designer Drogen auch widerstehen. Doch sie widerstand wie er der Karriere nicht. Meine Madelaine…., eine führende Persönlichkeit bei der UN-CDC, der Gesundheitsbehörde der UN …. und Bioinformatikerin war sie auch. Eine perfekte Frau eben. Mit kleinen Macken, aber liebenswürdig, mit Herz Seele und Verstand. Wo findet man das heute noch?

„Susanne, bitte stell mich zu Charlize durch, Danke.“

„Vati, was gibt’s denn? Wir sind noch bei der Anlayse und beim Planen. Hmm, diesen Blick kenne ich bei Dir. Was ist den los mit Dir?“

„Ach nichts, es ist immer dasselbe. Ich habe gerade meinen schwachen Punkt erreicht. Ich bräuchte jetzt ne Punk Droge glaube ich.“

„Du kommst über die Trennung nicht hinweg, gell? Mir geht es ja auch so, wir waren doch so eine tolle Familie. Aber wir müssen das auf später verschieben. Ich jedenfalls will es anders machen, wenn das überhaupt geht. Meine Kinder sollen in einem anderen Bewußtsein aufwachsen. Karriere und gesellschaftlicher Status sind nicht alles. Wir wollen eine Familie bleiben, auch wenn ich nicht mit Zed verheiratet bin. Wir halten zusammen. Er ist ein fürsorglicher und liebenswerter Vater. Ich bin ganz guter Dinge. Manchmal sind da auch Schatten. Auch ich träume Cyber-Träume. Beinahe bin ich von dieser Apparatur süchtig geworden. Aber es hilft manchmal und tröstet über einiges hinweg. Du weißt ja wie hoch die Leistungsanforderungen heutzutage sind. Das hält ja kaum einer noch aus. Wir sind da manchmal alle überfordert. Dieses System haben wir uns perfekt ausgedacht. Es lässt uns keine Ruhe, bindet uns voll ein, lässt uns nicht mehr los, fordert alles und ein Fehler und alles ist aus. Aber was rede ich da, das weißt du doch alles nur zu gut. Wenn wir das hier überstanden haben müssen wir mal tabula rasa machen und uns zurückbesinnen. Back to the roots, sofern das überhaupt noch möglich ist. Wir müssen uns ernsthaft Gedanken machen was zu ändern. So geht es nicht weiter. Der technische Fortschritt hält uns in den Bann. Marketing Welten und Banana Rama bestimmen unser Konsumverhalten. Da bleibt kaum noch Platz für echte Gefühle, zwischenmenschliche Begegnungen. Keine Heucheleien. Du solltest Mama mal wider anrufen. Vielleicht kannst du ihre Hilfe jetzt brauchen. Man, Pappa, du bist der erste Mann der Lunaren PT, Du darfst jetzt keine Schwäche zeigen!“

„Ja ich weiss. Ich bin auch darauf trainiert. Das schaffe ich schon. Sobald ich etwas Zeit habe werde ich Madelaine kontaktieren. In der jetzigen Situation kann das wirklich helfen.“

„Herr Bentzinger, die ersten Ergebnisse der Spider und Profiler sind da“, unterbrach ihn Susanne.

„OK, bestell bitte alle in 10 Minuten in den grossen Kommunikationssaal.“

„Charlize, ich habe meine Familie vernachlässigt für die große Karriere und jetzt tut es mir etwas leid. Ich fühle manchmal eine gewisse Leere und Ohnmacht. Manchmal hält mich nur noch die Arbeit und die Verantwortung aufrecht. Aber das darf ich mir nicht anmerken lassen. Ich schaffe das auch, aber Du hast recht, wir müssen einiges überdenken. In meiner Position kann man auch etwas ändern, vielleicht, etwas anschieben. Aber vieles ist im Vergleich zu früher schon besser geworden. Wenn nur dies Träume nicht wären. Und dieses Gefühl, ich weiß nicht, es ist auch ein verändertes Lebensgefühl. Alles ist etwas in der Zwischenwelt, nebulös, transformierbar, austauschbar. Manchmal fühle ich mich auch schlapp und ersetzbar. Aber der Erfolg gab mir letztendlich recht. Früher war ich immer meiner Sache so sicher. Heute sind mir Zweifel gekommen. Manchmal fühle ich Unsicherheit, Zweifel oder Misstrauen und Missgunst. Auch die Sache welcher wir jetzt auf der Spur sind ist nicht nur von technischer oder wirtschaftlicher Natur. Ich spüre da einen größeren Hintergrund. Eventuell gesellschaftlicher Art. Etwas versucht Einfluss zu nehmen. Mein Gott Charlize, es ist wie in einem schlechten Film, alles wird Wirklichkeit. Ich habe nie getraut darüber zu sprechen, aber wir müssen uns in diesen Punkten vertrauen. Haha Punkten… Auf der Gefühlsebene tut sich einiges in mir … ich glaube manchmal ich müßte auch so eine Cybertraum Apparatur benutzen. Ich sollte mal mit Madelaine darüber reden. Sie wird wissen was zu tun ist.“

„Mir geht es ganauso, Pappa. Wir müssen uns jetzt aber auf unsere Aufgabe konzentrieren. Los, gehen wir es an. Wir sehen uns dann im K-Saal.“

„Bis gleich.“

Darius Bentzinger machte sich auf. Wenn er Chef der Mars PT und der solaren PT werden will muss er sich gerade jetzt bewähren. Das würde er schon schaffen. Er ballte die Faust. ‚Ich komme dahinter. Dahinter und weiter, immer weiter.’ Nicht umsonst ist er ein Sofortumschalter, weiß sich immer der Situation anzupassen.

Im K-Saal angekommen registrierte er, dass alle schon anwesend waren und heftig miteinander diskutierten. Er ging auf seine Platz und eröffnete die Sondersitzung offiziell.

„Also, was ist bis jetzt passiert?“

„Wir sind ein Stück weitergekommen“, antwortete Prof Segenhert. Die Einspielung der modifizierten Beta Version ist erfolgreich gewesen, soweit wir das bis jetzt sagen können. Die Spider registrieren ein Proliferation von bis jetzt 9,8 % mit stark steigender Tendenz. Die Leute und Organisationen springen auf unser Programm an. Die Profiler haben auch schon einige Erfolge zu melden. Wie erwartet gibt es in den Großräumen Johannisburg, Paris und Tokio eine sehr große Adaption der neuen Version. Die Analyse zeigt, dass die Punkte auf sehr viele Träger verteilt wurden. Es handelt sich dabei um viele Einzelpersonen und einige Organisationen. Wir versuchen jetzt genau den Weg zurückzuverfolgen. Dieser Weg wird uns Aufschluss geben über die Verteilungslogistik unserer Zielpersonen. In Long Island sind wir dabei die nächste Sicherheitsstufe der Biosignatur zu erstellen. Sie wird bereits in wenigen Stunden verfügbar sein, so dass wir, falls die Notwendigkeit besteht, das System bezüglich der Punktediebe dicht machen können. Krensfeldt berichtet, dass es sich seiner Meinung nach nicht um reine Diebe handelt. Ich verwende deswegen eher den Ausdruck Cyber-Terroristen. Welche Ziele sie haben, ob politisch, wirtschaftlich oder finanziell, religiös oder sonst was wissen wir noch nicht. Wir analysieren noch die technischen Möglichkeiten dieser Leute, das soziale Umfeld und ihre Motivation.

Die V-Männer haben entsprechende Aktivitäten in genannte Räumen gemeldet. Es muss eine Vielzahl von Trägern geben und ich weiss nicht, wie die es schaffen könnten, die Biosignatur der Punkte so schnell und ohne weiteres zu ändern um eine solche Verbreitung unter diesen Trägern zu ermöglichen. Das müssen wir noch genauer hinsehen.

Die Akzeptanz bei der Bevölkerung läuft gut. Es findet ein regelrechter Run auf unsere Gewinnspiele und Möglichkeiten die Sonderbonuspunkte zu ergattern statt. Die Inflation dabei ist nicht von Relevanz. Wir können locker die Produktion von Waren hochfahren indem wir Notkapazitäten aktivieren.

Soweit so gut. Ich bin mir nur nicht sicher, ob unsere Cyber-Terroristen das wirklich geschluckt haben.

„Ja, das ist ein entscheidender Punkt“, bestätigte Bentzinger. „Hier müssen wir jede Bewegung genauestens aufzeichnen und analysieren. Diesen Leuten ist jede Finte zuzutrauen. Wie können wir festmachen, ob sie was gemerkt haben?“

„ Wir können eigentlich nur auf Unregelmässigkeiten bei der Verteilung bzw. Konzentration der Punkte achten“, antwortete Segenhert.“ Solange sie sich nicht durch Anti-Aktivitäten enttarnen können wir es nicht mit Bestimmtheit sagen. Gibt es keinerlei Unregelmässigkeiten, können wir die Verteiler und Träger aufspüren, dann können wir davon ausgehen, dass alles nach Plan verläuft, aber nicht mit 100 prozentiger Sicherheit. Ein Restrisiko bleibt da.“

„Gründliche Untersuchung unserer Verteiler -und Adoptionsserver, sprich unsere Master- und Spiegelserver, die Transformerstationen sind Voraussetzung dafür“, ergänzte Berenger.“ Jede Punktetransformation, jeder Biosignaturübergang, jeder Rollback muss aufgezeichnet und überprüft werden. Die Spider und Profiler wurden extra dafür kalibriert. Unser mathematischer Code funktioniert bis jetzt, soweit wir das wissen. Die vielen Träger der neuen, modifizierten Beta Version machen mir Kopfzerbrechen. Wie konnten die neuen Punkte so schnell auf so viele Leute übertragen werden? Die müssen doch sich erst bei den lokalen PTs anmelden um ihre Punktetransformer einzustellen. Dann müssen die Punkte übertragen werden und die Biosignatur angepasst werden. Das kann bei dem einen oder anderen mal schneller gehen, aber nicht so schnell und bei so vielen Leuten gleichzeitig.

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Jun 19

Kapitel 7

Sebender identifizierte sich durch seinen im Kopf eingepflanzten Chip an der Sicherheitsschleuse des technischen Centers der PT France. Als er ein grünes VOID erhielt machte er noch einen Irisscan und sprach seinen Namen in ein Micro. Mit einem hellen „Clack“ entriegelte sich die erste Sicherheitsschleuse des technischen Centers. Er trat in den Zwischenraum. Die Schleuse ging wieder zu. Er tippte ein paar Zahlen, Buchstaben und Zeichen in eine Tastatur und die zweite Schleuse ging auf. Tja, wenn man unterwegs den Code verliert konnte man schon da feststecken. Aber es gab natürlich die Möglichkeit Hilfe zu rufen. Nur peinlich für den Mitarbeiter. Aber solche Gedanken hatte Sebender nicht. Er betrat das Hauptkommunikationszentrum, grüsste seine Kollegen mit einem knappen „Salü“, meldete sich bei seinem Arbeitsplatz an und erbat Zutritt zu einem der gespiegelten Master Server. Da er über diese Sicherheitsstufe verfügte, wurde ihm der Zutritt direkt gewährt. Sebender stand von seinem Arbeitsplatz auf und steuerte direkt zu einer Schleuse. Sein Chip wurde identifiziert und er trat ein. Er machte sich gleich an die Arbeit.

Er hatte noch 12 Minuten Zeit, den Haupt Cluster der lunaren PT zu infiltrieren. Von innen, versteht sich. Er wird sich als normaler Update Client anmelden um die neue Biosignatur für die lokale PT, in diesem Fall die PT France zu empfangen. Er wusste, das Jacob und Flynt versuchen das Sicherheitssystem zu überwinden, und dasselbe vorhatten wir er. Doch es ist möglich, dass ein Angriff von aussen fehlschlägt, weil man dem Angreifer etwas vorgaukelt. Die lunare PT ist da auf alle Eventualitäten vorbereitet. Doch ein Angriff von aussen und von innen zur selben Zeit hätte eine Chance. Eine Chance auch die Abwehrmassnahmen zu erspähen und unbemerkt einen Trojaner zu platzieren. Noch 3 Minuten. Sebender verfolgte die Statusmeldungen auf seinem Schirm. Er konnte mit Jacob und Flynt nicht Kontakt aufnehmen. Der Raum war völlig isoliert. Eine Minute. Sebender war fertig mit seinen Anfragesequenzen. Er brauchte nur noch eine Taste zu drücken und das Ding ging los.

Und los ging es. Die neue Biosignatur stand für die lokalen PTs online auf den eigens eingerichteten Update Clients. Sebender drückte auf die Taste. Das Update Verfahren wurde eingeleitet. Gleichzeitig schleuste sein Master Server einen Trojaner ein. Dieser sendete von nun an alle benötigten Daten vom Haupt Cluster der lunaren PT nach Johannisburg zum dort eingerichteten Spiegel Cluster. Er versuchte auch Spionage Spider ausfindig zu machen und Profiler Programme, die die Art von Attacken analysieren und Bewegungsdaten von Punkten aufzeichnen zu täuschen. Sebenders Auftrag war somit erledigt.

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Jun 19

Kapitel 6

Bentzinger ging an den Rand des Saales. Mehrere Laser scannten ihn. Das Licht an der Schleuse wechselte auf Grün. Mit einem leisen Zisch gingen das Innen- und das Aussenschott auf. Er steuert direkt auf sein Büro zu, dass auf derselben Etage lag. Susanne passte ihn unterwegs ab.

„Herr Bentzinger, ich habe einige Anfragen verschiedner PTs und PVMs vorliegen. Sie schienen sehr besorgt. Sie fragen alle was vor sich geht. Ich habe Ihnen alles als Intragrid –Memo geschickt.“

„Danke, Susanne. Mach mir was von dem starken Zeug. Diesen Tee mit Whisky-Derivat ohne Alkohol. Wir haben eine lange Nacht vor uns.“

„Kommt sofort!“

Bentzinger ging zu seinem Schreibtisch. Er gab ein Memo an alle PTs heraus indem die Lage erklärt wurde. Er schrieb nicht was man genau plante. Das war geheim. Ein weiteres Memo wurde in einer gesicherten Leitung an alle wichtigen Vertrauensleute der PTs geschickt. Diese wurden eingeweiht.

Bentzinger lehnte sich zurück und entspannte sich. Der Tee wurde von einem Roboter gebracht. Er schlürfte daran und grübelte. Der Plan war nicht schlecht. Wenn alles exakt und schnell arbeiten sollte das uns der Lösung einen entscheidenden Schritt weiterbringen. Hmm, sollte eigentlich, oder ? Irgendwas ist unstimmig. Wie machen die das nur? Woher haben die diese Rechenkapazität? Oder brauchen die das gar nicht? Und wer sind die???

Bentzinger ging in sein Adressbuch und öffnete die Nummer für den Abwehrdienst der Lunaren PT. Krensfeldt ist es den ich brauche. Er war Sonderbeauftragter des Abwehrdienstes für technische Fragen und V-Männer.

Er liess sich verbinden. Krensfeldt war nicht in seinem Büro.

„Susanne, mach bitte über die Satellitennavigation den Standort von Krensfeldt aus und verbinde mich über eine Kryptoleitung mit seinem Mobilen Gridempfänger. Wenn es geht soll er an einem der Grid Hot Spots der PTs andocken.“

Bentzinger wartete zwei Minuten, dann kam ein Signalton in seinem Gridkom.

„Herr Bentzinger, was kann ich für Sie tun ?“

„Hallo Herr Krensfeldt, wir haben hier einige Probleme wie Sie wissen. Gibt es irgendwelche Nachrichten aus Ihrem Umfeld bezüglich der gestohlenen Punkte?“

„Nun, ich habe da einige V-Männer in verschiedenen Milieus. Wir haben noch keine gesicherten Erkenntnisse, aber es deutet einiges darauf hin, dass wir erhöhte Nachrichtenaktivitäten auf bestimmten Grid-Kanälen zwischen Afrika und Japan haben. Genaues kann ich noch nicht sagen. Wenn sich die Information bestätigt, dann kommt das Ganze aus den höheren Finanzkreisen Japans. Wer die in Afrika sind, wir glauben, es handelt sich um Südafrika, wissen wir noch nicht. Weiterhin haben unsere Abwehrspider ungewöhnliche Aktivitäten in einigen zentralen PTs in Frankreich, Kanada und Australien festgestellt. Wir sind noch bei der Datenauswertung. Näheres kann ich Ihnen erst in ca. 2 Stunden sagen.“

„Danke, Herr Krensfeldt. Ich kümmere mich mal um die Aktivitäten bei den zentralen PTs. Halten Sie mich auf dem Laufenden!“

„Wird gemacht.“

‚Ich muss mir einen Plan von der Situation machen’, sinierte Bentzinger vor sich hin. ‚Wenn wir die Motivation der Angreifer besser kennen würden, könnten wir besser antizipieren was passieren wird. Die Profiler müssen ran !’

Im ausgehenden 21. Jahrhundert hat sich nicht nur das technische und ökonomische Umfeld verändert. Was den Menschen wichtig war, war die Veränderung des Wertesystems. Anfang des Jahrhunderts waren noch Dinge wie finanzielle Macht, gesellschaftliches Ansehen, Zugriff auf Ressourcen wie Öl oder Rechenzeit, Gesellschaftlicher Status oder allgemeine Machtbefugnisse per Position oder Grösse der Armee eines Staates wichtig. Investitionen eines Landes in Zukunftsfelder waren bedeutend, der Strukturwandel brachte viele Leute um ihren Job. Im Laufe der Zeit änderte sich einiges. Der technische Fortschritt und die politischen und wirtschaftlichen Allianzen ermöglichten es auf einem höheren Niveau zu denken und zu handeln. Jedem konnte eine gute Mindestvoraussetzung geboten werden. Und da jeder mit Bildungspunkten geboren wurde, war ein Universitätsabschluss nicht mehr so sehr von der Herkunft abhängig. Die Leute suchten nach neuen Zielen. Nach Visionen. Sie wurden gefunden in der Selbstverwirklichung in einem hochstehendem System; man arbeitete nicht mehr so sehr gegeneinander. Mobbing beispielsweise ging zurück, da es genügend Arbeitsplätze gab. Die neuen Industrien in allen Bereichen, sei es Unterhaltung, Kultur, Technik, Terraforming oder moderne Architektur boten für jeden etwas. Diejenigen, die nicht begabt genug waren um sich eine gute Position zu erkämpfen konnten dennoch gut leben. Wettbewerb sah man eher sportlich. Man lebte länger und hatte Aussicht bei einer Pleite von allen erdenklichen Seiten unterstützt zu werden und einen Neuanfang machen zu können. Es gab sogar Sonderpunkte für Leute die Konkurs anmelden mussten. Niemand stürzte mehr ins soziale Abseits.

Probleme gab es natürlich trotzdem. Die Gesellschaft differenzierte sich zunehmend. Das birgt ein Kommunikationsproblem und das Aufeinandertreffen unterschiedlichster Lebensmodelle. Aber das war früher auch schon so. Und heutzutage waren die sozialen Probleme erheblich milder!

‚Und hier liegt auch der Schlüssel für das Verständnis der Motivation unserer Punktediebe’, überlegte Bentzinger weiter. ’ Was hatten die davon? Es wird Ihnen eine Menge Ärger bringen; sie können damit nicht durchkommen, können sie einfach nicht Also, was erhoffen die sich davon? Wollen sie einfach beweisen, dass es geht? Oder wollen sie zerstörend wirken, eine Art moderner Terrorismus? Oder hatten die einen Masterplan, der sie in die Lage versetzt, die Situation wirtschaftlich auszubeuten? Dann müssten einige von ganz oben mitwirken. Die Japaner? Wen kenne ich aus Tokio? Wir müssen uns um Japan und den ASIEN – Block kümmern! ’

Ein rotes Licht flackerte auf Bentzingers Haupt-Gridkom. Die Zeit war um. Er wird im grossen Kommunikationssaal erwartet.

Als er ankam waren schon alle da.

„Es sind noch genau 7 Minuten. Wir haben Nachricht von Long Island, dass die modifizierte Betaversion fertig ist“, unterrichtete Prof. Segenhert alle Anwesende.

„So langsam wird es spassig“, pflichtete Santer Segenhert bei. „Das Ganze erinnert mich an eine Zirkusnummer. Der Löwe sitzt seelenruhig da und überlegt sich, durch den Reif zu springen. Wird er, oder wird er nicht.“

„Tja, was ist besser, Fleisch nach der Nummer zu bekommen, oder lieber lebendiges Fleisch? Ist er wild oder ist er zähmbar. Wir werden es sehen!“, führte Santer seine Allegorie fort.

„Wie werden es sehen“, stieg Berenger darauf ein. „Aber ich tippe auf Fleisch nach der Vorstellung, dazu sind die viel zu intelligent. Ob sie auch smart sind, werden wir auch sehen. Denn das müssen sie sein, um von ihrer Aktion zu profitieren!“

Darius Bentzinger nickte.

„Eventuell wollen sie auch was ganz anderes erreichen. Systemverbesserer, Punkte-Terroristen, oder einfach uns zwei Schritte voraus. Irgendetwas Entscheidendes wissen wir noch nicht, sage ich euch. Ich verwette meine Historische Punktekollektion an denjenigen, der mir da einen Hinweis gibt.“

„Ja, Cyber-Terroristen sind es wohl auch“, fügte Zed hinzu, „aber welche mit extraordinären Kenntnissen auf den Gebieten der Mathematik und entsprechendem Wissen in Biosignaturen von Punkten.“

„Hosanna, Du sagst es. Ich höre schon Stimmen von meinem Orakel; ja, das Orakel der PT sagt mir dauernd wo die Rechenkapazitäten stehen, die sie zweifelsohne dafür brauchen müssten“, orakelte Berenger.

„Oder sie machen das irgendwie anders. Aber Schluss jetzt mit den Spekulationen. Die schiessen mir sonst zu sehr ins Kraut. Ich werde nach der Beta Aktion noch mal Krensfeldt kontaktieren. Bald müsste auch der erste Bericht der Profiler vorliegen“, beendete Bentzinger die Diskussion.

Ein Countdown erschien auf den Hauptschirmen des Saales. Long Island meldete sich:“ Wir beginnen jetzt in T-30 Sekunden mit der Einspeisungssequenz. Vorbereitende Massnahmen laufen. Wir sind jetzt Online mit dem Haupt-Punkte Cluster. Die modifizierte Betasignatur steht auf dem Einspeisungsserver bereit.

Die Produktivsysteme werden heruntergefahren. Der Einspeisungscache ist aktiviert.

Die Einspeisung erfolgt in 5 -4 -3 -2 -1 jetzt!

Einspeisungsvorgang erfolgreich. Signaturüberprüfung auf Identität erfolgt.

Überprüfung auf Integrität des Systems erfolgt.

Ergebnis: Positiv.

Check auf Fremdprogramme. Ergebnis: Negativ.

Überprüfung läuft auf dem Haupt-Cluster der terrestrischen PT.

Ergebnis: Negativ.

Gegencheck auf dem Haupt-Cluster der lunaren PT.

Ergebnis: Negativ.

Check auf 3 weiteren zufällig ausgewählten Testsystemen.

Ergebnis: Negativ.

Letzter Check. Verbinde 4 Haupt-Cluster zu einem sich gegenseitig überprüfendem System. Überprüfungsnetzwerk gestartet.

Ergebnis: Keine Fremdeinwirkung. Biosignatur ist authentisch.

In Ordnung, wir können den Produktiv-Cluster wieder hochfahren. Es geht weiter mit dem Plan von Foster. Die Kommunikationssequenzen auf allen Gridkanälen der solaren PTs laufen an. Jeder wird informiert, per Grid-Mail, per Holo-TV, per Brief, per Nachricht auf den Punktetransformern. Wir verfolgen die Punkte mit unseren Spidern und Scannern. Ende der Sequenz.“

Gespannte Stille war im Raum.

Bentzinger durchbrach das Schweigen: „Los Leute, ran an die Buletten. Lasst uns die Tracing – Spider ansehen. Foster, wie lange wird es dauern, bis wir eine Proliferation von 50 % in der Bevölkerung haben ?“

„Etwa 2 Tage doch uns interessieren nur grössere Ströme. Speziell zwischen Frankreich und Japan, bzw. die Achse Paris-Tokyo und zwischen Südafrika und Japan, die Achse Johannesburg-Tokyo. Erste Ergebnisse erwarte ich innerhalb der nächsten 6-12 Stunden.“

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Jun 19

Kapitel 5

Mein Name ist Sebender. Ich bin 26 Jahre alt, männlich. Ich komme aus Europa. Ich habe Volkwirtschaft studiert und bin verheiratet, 2 Kinder. Ich spreche 3 Sprachen, liebe italienisches Essen und die Luft am Meer. Ausserdem höre ich gerne klassische Musik. Deswegen habe ich immer ein mobiles Grid dabei, mit dem ich Zugriff auf meine Holoplatte Zuhause habe. Dort habe ich Unmengen an Musik-Files gespeichert. Wo wohne ich eigentlich ? Ich erinnere mich nicht so genau.

Ich arbeite in der volkswirtschaftlichen Abteilung der zentralen PT France, Bereich für EU-PT Koordination in Paris, La Defense. Heute und kommende Woche habe ich aber Urlaub. Ich bin im Besitz eines Sonderausweises der mir Zugang zu allen wichtigen technischen Einrichtungen der PT France erlaubt.

Ich habe Urlaub, trotzdem gehe ich heute zur Arbeit. Aber nicht um zu arbeiten. Ich gehe in die technische Abteilung meiner Arbeitsstätte…

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Jun 19

Kapitel 4


Darius Bentzinger begab sich in den grossen Kommunikationssaal der Lunaren PT. Dies war der technisch am besten ausgerüstete Saal des Stabes der Lunaren PT. Er war völlig abhörsicher und verfügte über alle Formen von Sicherheits- und Kommunikationsfeatures. Er hatte keinen mechanischen Kontakt zu seiner Umgebung. Die kugelförmige Zelle schwebte, von Energiefeldern gehalten 1 mm über mechanischen Einrastpunkten. Im Notfall, fiel die Zelle eben nur 1 mm. Nur extra gesicherte Verbindungkabel bildeten eine physische Brücke zu anderen Räumen.

Es warteten dort alle die sich angesagt hatten. Bentzinger grüsste kurz und bat alle an den Konferenztisch.

„Ihr alle kennt die Lage. Ich habe es euch mitteilen lassen. Nach Beratung mit meinem technischen Stab werden wir als erste Massnahme die neue Beta Version der Punktesignatur hier auf Luna einspielen und mit Hilfe der UN-PT auf dem ganzen Sonnensystem installieren. Zu diesem Zweck werden die Haupt-Cluster der Lunaren PT heruntergefahren und modifiziert. Dies wird in etwa 10 Minuten der Fall sein. „

„Könnte dies nicht ein Schwachpunkt sein, wenn der Haupt Cluster wieder hochgefahren wird?“

„Ja, daran habe ich auch gedacht. Wir sind mit unserer technischen Ausstattung noch nicht ganz fertig. Der Spiegel Cluster des Haupt-Clusters ist noch nicht fertig, so dass wir für eine Nanosekunde angreifbar sind, theoretisch. Denn dann müsste ein Angreifer erst mal unser Sicherheitssystem überwinden. Aber das habe ich bedacht. Wir habe zwei Möglichkeiten: entweder wir simulieren das Hochfahren nur und fahren in Wirklichkeit zu einem zufällig ausgewähltem Zeitpunkt wirklich hoch und beobachten währenddessen die Angriffsituation.“

„Oder?“, entwich es Berenger.

„Oder wir machen alles wie ein potentieller Angreifer es erwartet und setzen Spider auf den Angriff ein. Wir können den Haupt-Cluster so einrichten, dass er das Einspielen der Beta Version nur simuliert. Nur so erfahren wir etwas über den Gegner. In Wirklichkeit spielen wir eine modifizierte Beta-Version auf! Wir beobachten, was mit der Beta Signatur passiert. Sie wäre dann speziell gekennzeichnet durch einen mathematischen, unsichtbaren Code, den nur wir kennen. Das kann man von aussen gar nicht sehen. Wir beobachten, wo sie auftaucht, wer sie in den Händen hält, wie schnell und wo sie sich verbreitet und ob sie transformiert wird.“

„Diese Idee ist nicht schlecht“, antwortete Prof. Segenhert. „Wir sollten unsere Scanner und Spider darauf vorbereiten. So müssen wir am System im Augenblick nichts ändern. Der Schaden ist sowieso schon da. Mein Team arbeitet mit Long Island gerade an der nächsten Sicherheitsstufe. Eventuell ändern wir auch was Grundsätzliches. Wir schränken die Transformierbarkeit der Signaturen ein. Wir haben da doch einige Pläne in der Schublade. Wir können die überall Aufgestellten Erste –Hilfe –Terminals verwenden. Jeder muss sich dort identifizieren und erhält ein Upgrade der Signaturen welches die Signaturen mit einem Verfallsdatum ausstattet. Das geht natürlich auch an jeder PT. Um Panik unter der Bevölkerung und den Börsianern zu vermeiden tarnen wir das als Routine-Upgrade. Eben für mehr Sicherheit, bessere und schnellere Validierung, geben Sonderbonuspunkte aus, ein Gewinnspiel und ähnliches. Wir haben das von unseren Simulatoren überprüfen lassen. Das Ergebnis lässt hoffen, dass alles glatt geht.“

„Ich denke, wir wählen die zweite Möglichkeit. Das gibt uns mehr Einblick in die Vorgehensweise der Diebe. Wir können Abwehrmassnahmen entwickeln, haben mehr Kontrolle, geben Ihnen das Gefühl der Sicherheit bevor wir die Kontrolle wieder an uns reissen. Weiterhin können wir unsere Strategien ausfeilen, während die Diebe uns live vorführen, was sie vorhaben. Was meinst Du, Paul?“

„Ich Stimme Dir zu, Darius. So machen wir es!“, entschied Berenger.

„OK, Sergei, bereite alles vor. Sage Long Island bescheid. Wir brauchen schnellstmöglich eine modifizierte Form der neuesten Beta-Version. Wir fahren den Haupt Cluster der Lunaren PT planmässig runter, machen unsere Arbeiten und spielen die modifizierte Beta Version auf. Stell die Spider darauf ein. Schnell, wir haben noch 109 Minuten, 23 Sekunden bis zum Herunterfahren. Die Cluster der UN-PT werden nur scheinbar synchronisiert. Ward, Deine Aufgabe ist es, die nächste Sicherheitsstufe der Punktesignaturen fertig zu stellen. Sie soll temporär nicht übertragbar sein. Los, Beeilung!“

„Ich werde mich um die Angleichung des gesamten Punktebestandes der Bevölkerung auf diese Version kümmern“, schaltete sich Foster in die Diskussion ein. „Ich werde eine Stab aus den Führungsgremien der PTs bilden und alles vorbereiten. Ich habe mich schon mit Paul kurzgeschlossen. Wir starten eine Medien-Kampagne um die Bevölkerung zu informieren. Jeder muss seine Punkte in das neuen Stadium überführen. Bei persönlich signierten Punkten muss jeder an eines der Terminals gehen oder zu einer lokalen PT. Punktebestände von Fonds, Gesellschaftskapital oder Aktienpunkte, die an das Kollektivsignatursystem angeschlossen sind werden automatisch in das nächste Stadium überführt. Den Privatpersonen werden wir wie geplant ein Gewinnspiel offerieren. Jeder zehnte bekommt 250 Sonderpunkte. Die Umstellung des Kollektivssystems kann erfolgen, sobald wir die entsprechende Version fertig haben. Das wird nach Rücksprache mit Long Island in etwa 28 Stunden der Fall sein. Privatpersonen geben wir eine Frist von 48 Stunden ab diesem Zeitpunkt. Das ist knapp, sollte aber kein Problem sein. Wer nicht mobil genug ist um zu seiner PT zu gehen, kann das über eine spezielle Leitung im Grid machen. Wer zu spät kommt, kann dies eben später nachholen. Er oder Sie kann dann halt mit seinen alten Punkten nicht bezahlen. Dann wird die Person schon auf die Idee kommen, Ihre Punkte upzudaten.“

„Gut, Edward. Der Plan steht. Charlize, Du kannst für uns die Arbeiten von Long Island koordinieren. Eventuell brauchen wir Dich noch für einen Sondereinsatz. Santer Segenhert, nach Absprache mit Deinem Vater würde ich es gerne sehen, wenn Du Dich um technische Notfallpläne kümmerst. Eventuell müssen wir unseren Algorithmus weiterentwickeln, falls irgendwas schief geht. Du bist also unser Plan-B-Mann. Falls Plan B nicht gebraucht wird, brauchen wir aber auf jedenfall eine Lösung für die Zukunft. So was darf natürlich nicht noch mal vorkommen!“

„Mach ich! Ich werde auch meinem Vater assistieren. Haben wir schon abgesprochen.“

„Alles klar. Jeder weiss was er zu tun hat. Ich bin in meinem Büro und werde alles Koordinieren. Ich erwarte von jedem einen Zwischenbericht, wenn sich was Wichtiges tut. Ich werde alle bedeutenden Hauptstellen der terrestrischen PTs informieren lassen. Wir treffen uns wieder, hier im grossen Kommunikationssaal wenn der Haupt-Cluster wieder hochgefahren wird, also in ca. 125 Minuten. Jeder, der nicht von der Lunaren PT ist, kann die Sonderbüros nutzen. Ausserdem natürlich die Einrichtungen dieses Saales. Ich werde mich auch um unsere V-Männer kümmern und die Abwehrabteilung instruieren. Good Luck!“

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Jun 19

Kapitel 3

„Hey Jacob, hast Du Zugriff zur Unit Cluster 1-1? „

„Gleich, muss den neuen Cluster noch initialisieren Wir haben ne Menge Traffic in den Backbones rund um Johannisburg. Unser Algorithmus Master Server auf Luna ist noch nicht online. Die Transferstellen sind blockiert und neu ausgerichtet worden. Die haben was bemerkt !“, grinste Jacob.

„OK, wir sind soweit im Plan. Cluster 1-3 beendet gerade seinen Job, Cluster 1-4 wird in 2 Stunden wieder online sein. Wir haben Zugriff auf die Satelliten-Transfer Units. Alles im grünen Bereich.“

„Gut. Wir beginnen mit der Signierungsphase in T- 30 Minuten. 2 Millionen Einheiten. Erst-Signierung. Verteilungsschema C-KB-995. Dauer ca. 2 Minuten. Alle Empfänger auf Stand-By.“

„Roger T-30, jetzt, jetzt, jetzt“, Flynt gab einen Code in seine Grid-COM Station ein und erhielt als Antwort ein grün flackerndes ENABELD.

„Die werden sich wundern, Flynt!“

„Das wird ein Fest! Was macht unser Verteilungsplan, der C-Plan und

der Technik Plan?“, insistierte Flynt.

„Scheint alles soweit in Ordnung. Ich warte noch auf Nachricht von Takamoto. Unser Technik Team arbeitet daran die lunaren Transferstellen zu simulieren. Wir sind dabei ein eigenes Netz aufzubauen. Die Cluster laufen nach Plan. Der Meta Cluster wird sich aufgebaut haben um Null Neunhundert Ortszeit Johannisburg. Wir warten aber noch auf den Algorithmus Master Server. Da sollte noch was passieren.“ antwortete Jacob.

„Ich glaube es ist eine Rohrpostsendung angekommen, Jacob“.

„Das muss die verschlüsselte Botschaft von Takamoto sein!“

Flynt öffnete das Päckchen. Es war ein würfelförmiges Stück Plastik. Er legte es unter einen LASER. Dieser zerschnitt den Würfel in 100.000 Stück grosse Nano-Würfel.

„Tataa. Welcher ist es nun ? Ich habe hier die Nummer. Takamoto hat mir eine Liste persönlich gegeben. Nun, wir haben Vorgang Nummer 213. Dann ist die Nummer die 87325. OK, stell den Roboter auf 87325. Gut. Öffne den Würfel und entnimm den Inhalt. Stell ihn unter den GEN-Analyser.“

Der filigrane Roboterarm entnahm ein Haar aus dem Würfel. Es war künstlich hergestellt, enthielt aber einen genetischen Code. Dieser Code konnte gelesen werden. Doch er war noch verschlüsselt.

„Ist Cluster 1-1 jetzt online? Wir brauchen ihn für diesen Nebenjob!“

„All right, ich gebe die DNS Sequenz ein. Los Baby! Entschlüsselung läuft nach Plan. Das dauert höchsten 2 Minuten.“

Flynt lehnte sich zurück und nahm eine Designer Droge. Mächtig teures Zeug! War aber seine Punkte wert.

Ein kurzes, leises Jiihjii durchzog den abhörsicheren Raum.

„Wir haben Nachricht vom Knotenpunkt Tokio. Der Spiegel Cluster wird in ungefähr 20 Minuten soweit sein. Dann geht’s erst richtig los, Leute. Benachrichtige den C-Block. Die müssen dann alle soweit sein. Was macht der Algorithmus Master Server?“

„Nun, die Nachricht ist entschlüsselt. Die Cluster – Rechner der Lunaren PT fahren in genau 118 Minuten, 35 Sekunden aus Sicherheitsgründen runter. Es wird dort ein Sicherheitscheck gemacht, leichte Wartungsarbeiten ausgeführt und neu modifiziert. Die wollen die zweite Betaversion der Punktesignierung laden und verteilen. Das dauert ca. 25 Minuten. Das sollte Zeit genug sein um das Ding mit einem Trojaner zu infiltrieren, der dann mit hoch fährt und die benötigten Verschlüsselungs- und Modifikationsdaten an unseren Spiegel Cluster über den Meta Cluster zu übertragen. Dann hätten wir unsere eigene Punkteproduktionsstätte in diesem Signaturstadium ! Wie sieht es mit unseren Verbindungsdaten zum Haupt Cluster der Lunaren PT aus?“

„Nun, wir haben Sie! Kurz bevor er wieder hochgefahren wird gibt es einen Schwachpunkt. Für eine Nanosekunde, wenn das Start-Signal kommt, und wir den Sicherheitsblock, dank Hilfe von Takamoto überwinden können, ist das Ding angreifbar!“

„Also los, lass uns einen Zeitabgleich machen. Wir programmieren die Daten für den Meta Server. Der Algorithmus Master Server wird dann direkt vom Spiegel Cluster gesteuert. Jipieijei Schweinebacke…“

„Ist gut, John McClane. Wir kriegen die schon!“

Der Punkteplan Kapitel 4

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Jun 19

Kapitel 2

Der Turbolift öffnete sich und Charlize trat in die Vorhalle ihres Wohnblocks.

„Hallo Frau Bentzinger“ rief ihr ein Nachbar entgegen.

„Hallo Herr Teuschert“ antwortete sie.

„Ich dachte“, sagte Teuschert forsch, „sie wollten sich für eine Weile auf einer dieser schwimmenden Städte einnisten um auch etwas Urlaub zu machen?“

„Ja, ja. Das habe ich aufgeschoben. Ich habe jetzt was anderes vor. Hab’ ein Angebot vom MIT angenommen. Trotzdem bliebe ich noch ne Weile hier wohnen. Ich muss jetzt weiter, Herr Teuschert. Tschüüüs“.

„Tschüss Frau Benzinger. Irgendwann nehme ich Ihr Angebot zu einem Umtrunk bei Ihnen an. Dann können wir ein bisschen über künstliche genetische Evolution klönen“, rief ihr Teuschert hinterher.

Charlize nickte und verließ die Vorhalle über eine Rolltreppe die zum Bahnhofsbereich der Mini-Rohrpost führte. Der Zug ließ nicht lange auf sich warten und Charlize stieg ein. Einen Zero-Warp-Gleiter konnte sie sich im Augenblick nicht leisten, obwohl sie schon den Flugschein dafür besaß.

Iiiih Iiiiiih. Ein wichtiges Signal wurde an ihre Bewusstseinsrinde geschickt. Es war biogenetisch signiert und konnte nur von ihr verstanden werden. Es kam von dem Armreif, der mit dem Kommunikator verbunden war und gleichzeitig als Hörer diente. Ihr Ohrschmuck war quasi der Hörer. Er war mit dem Unterkiefer und dem Innenohr verbunden, einfach über Hautkontakt. Es war Vater!

„Hallo Charlie“ tönte es in ihr Innenohr.

„Du sollst mich doch nicht so nennen. Ich bin nicht mehr Dein kleines Mädchen“ ereiferte sich Charlize.

„Hahahha, für mich bist du das immer noch. Habe von Ken erfahren das du das Angebot am MIT angenommen hast. Ich gratuliere Dir von ganzem Herzen. Ich weiß, dass Du genau das wolltest. Aber sei mit nicht böse. Ich bin immer noch etwas traurig, dass Du nicht zur Zweiten Unabhängigen Europäischen Punktetransferstelle gekommen bist. Ich habe Dir den Weg dorthin geebnet. Du hättest in der technischen Abteilung arbeiten können. Genetische Biosignaturen. Aber das weißt Du ja alles.“

Charlize griff zum Zigarettomat. Ein kräftiger Zug und sie war weniger nervös.

„Jaa, Pappa, das weiß ich. Und ich finde es auch toll, dass Du es zum Leiter der Ersten Unabhängigen Punktetransferstelle des Mondes gebracht hast. Ich bin mächtig stolz auf Dich. Sobald sie den Mars anschließen, wirst Du weiter aufsteigen. Wie weit ist den die Atmosphärenbildung auf dem Mond?“

„ Die macht mir weniger Kopfzerbrechen. Es wird bald abgeschlossen sein. Das künstliche Gravitationsfeld funktioniert einwandfrei, der Druck stimmt schon. In meiner Gegend kann man zur Not schon ein paar Meter nach draußen gehen. Man soll aber noch nicht. Die Begrünungsmaßnahmen sind logistisch schon angelaufen. Wasser haben wir auch. Wenn der erste Regen fällt werden wir alle feiern. Was mir mehr Sorgen macht sind einige Unregelmäßigkeiten bei den Punktebewegungsdaten. So was gab es noch nie, außer in den ersten zwei Testjahren von 80 bis 82. Und es kommt natürlich wie es kommen muss, einige Millionen Punkte sind verschwunden. Man vermutet sie auf einer der Netztransferstellen auf dem Mond. Die haben zwar, da sie völlig neu sind ein hohes Sicherheitsniveau, aber gerade deshalb sind sie etwas störanfällig. Es scheint Lücken im Sicherheitsnetz zu geben. Diese Transferstellen sind noch nicht völlig ausgetestet. „

„Warum erzählst Du mir das alles?“ unterbrach Charlize. „Das sind doch alles sicherheitsrelevante, geheime Informationen?“

„Ja ich weiß. Aber zum einen habe ich die Erlaubnis von Berenger von der UN-PT. Zum anderen verfügtst Du über das Spezialwissen um uns zu helfen. Falls Du nicht helfen willst oder Dir die Sache zu heikel ist, so behalte die Sache für Dich. Wir werden dann eine partielle Gedächtnislöschung vornehmen und ich werde ein spezifiziertes Recall-Block Signal senden.“

„Ich verstehe. Ich überlegs’ mir kurz. Aber wenn es wichtig ist für Dich, werde ich euch natürlich helfen. Hast Du schon am MIT um Erlaubnis für mich gefragt?“

„Ja, natürlich. Da dies von globaler Bedeutung ist, hat Prof. Segenhert zugestimmt. Die Ergebnisse unserer anstehenden Untersuchungen sind auch für ihn interessant. Er darf sie dann verwerten, wenn keine Sicherheitsaspekte im Wege stehen. Aber Geheimprojekte gibt’s am MIT ja genug“, scherzte Darius Bentzinger.

„Ok Charlize, am besten nimmst Du den nächsten Aufzug in den Orbit und kommst mit dem Shuttle dann zu mir zur Lunaren PT, im Mare Tranquillitatis City. Ich schicke Dir Sondertransportpunkte der Lunaren PT. Die sind nicht zurückverfolgbar.“

„OK Pappa, ich beeile mich“, sprach’s und rief ihren Grid-Kommunikator auf. Sie wählte die Seite der Transport Unit der Lunaren PT. Siiiit, machte es. Die Sondertransport-Punkte waren da. Sie enthielten schon die Reiseroute und berechtigten zum Benutzen aller Gesellschaftseigenen Transporteinheiten der terrestrischen und Lunaren PT, mit höchster Prioritätseinstufung.

Sie gab die signierten Punkte auf der Seite der Lunaren PT ein und erhielt prompt eine Bestätigung der Reiseroute mit Sonderstatus.

Sie musste am großen Rohrpostbahnhof aussteigen und dort die Rohrpost Richtung Äquatorstation XII der orbitalen Aufzüge nehmen. Man hätte auch einen der Terra-Luna Shuttles nehmen könne. Doch die waren sehr groß, kaum verfügbar und zu auffällig.

Charlize verließ die Minirohrpost und ging Richtung der Äquator-Linie. Sie nahm noch einen Zug aus dem Zigarettomat und beschleunigte ihre Schritte. Ein komisches Geräusch war hinter ihr zu hören. Sie schaute sich kurz um. Sie sah aber nur eine Gruppe junger Leute, die offensichtlich viel Reisegepäck dabei hatte. Naja, hier auf den großen Bahnhöfen ist halt viel los. Das ist sehr international. Die kommen teilweise auch vom Trabanten oder wollen sonst wo hin.

Die Rohrpost zum Äquator fuhr alle 15 Minuten. Es gab jeweils zwei Hyperloops für hin- und zurück und natürlich 4 kleinere Sicherheits- und Wartungsröhren. Der nächste Zug fuhr ein. Charlize stieg ein und begab sich in die VIP-Abteilung der Lunaren PT. Der Steward wollte ihre Berechtigung sehen. Sie übertrug die Sonderstatus Signatur von ihrem Kommunikator Grid zu seinem mobilen Terminal.

-APPROVED- erschien auf dem Terminal und sie durfte sich einrichten. In diesem Abteil der Rohrpost gab es allen möglichen Komfort. Ein bordeigenes Grid, frei bestellen à la Carte, Rückenmassagen und Informationsdokus über den Aufbau des Mondes. Charlize machte es sich bequem. Der Zug rollte an. Die Beschleunigung war sehr stark. Damit keine Werte über 2 g auf den Passagieren lasteten, wurden Antigravitationsgeneratoren angefahren. Der Zug beschleunigte innerhalb von 7 Minuten auf 5500 km/h.

Nach einer Fahrt von knapp zwei Stunden kam Charlize an der Äquatorstation XII an. Sie stieg aus und lenkte ihre Schritte in Richtung des orbitalen Aufzugs der Lunaren PT. Dort kamen sonst nur Mitarbeiter der PT hin. Beim einchecken sendete sie wieder ihre Sonderstatussignatur zum Terminal der Aufzugsgesellschaft und durfte ungehindert passieren. Sie betrat eine Aufzugsgondel. Die Türschloss sich. Das Ziel war schon einprogrammiert.

Von da ab ging es mit irrsinniger Geschwindigkeit Richtung Orbit. Charlize drückte auf einen Sensorschalter und ein kleines Fenster öffnete sich. Hinter dem Sicherheitsglas konnte man jetzt in atemberaubender Weise den Planet Erde sehen, der immer kleiner wurde. Die Gondel durchstieß die Wolkendecke und bald konnte man fast die Hälfte der Erdkugel sehen.

Die Gondel wurde langsamer. Eine Auffangstation kam in Sicht. Wenn da nicht das Nanoseil wäre könnte man meinen, dass man sich auf einer Raumstation befände. Charlize verließ die Gondel und ging Richtung Shuttle Station.

Ein paar PT Mitarbeiter grüßten freundlich. Einer konnte sich einen kleinen Pfiff nicht verkneifen. Oh ja richtig, Charlize war angezogen für einen Stadtbummel. Sie bestieg den Laufsteg für den Shuttle. Einen besseren Zugang für das Gerät hatte man hier oben nicht. Da Reparaturen und schweres Gerät hier im Orbit unerwünscht waren. Die Schwerkraft wurde natürlich künstlich erzeugt.

Es handelte sich um eines der kleineren Shuttles. Er hatte nur 26 Sitzplätze für Passagiere. Sechs Leute stellten die Crew. Zwei Piloten, zwei Stewardessen, ein Sicherheitsmann und ein Techniker. Der Countdown lief. Das OK von Luna kam, der Stationskommandeur gab den Flug frei, und das Shuttle bewegte sich in  Richtung des Erdtrabanten.

Das Mare Tranquillitatis befindet sich auf der Tagseite des Mondes. Auf der Rückseite ist es ziemlich kalt. Außer Charlize war nur noch ein Passagier an Bord. Ihre Blicke begegneten sich kurz. Es war ein etwa 40 jähriger Mann. Gebräunt, blond und gutaussehend.

„Hallo“ sagte er. „Sie müssen Charlize Bentzinger sein!“

„Ja, und wer sind Sie, wenn ich fragen darf?“

„Ich bin Edward Foster. Ich bin der stellvertretende Leiter der Lunaren PT. Ich bin eigentlich im Urlaub. Aber Ihr Vater hat mich zurückbeordert wegen dieser Sache. Sie wissen schon.“

„Ich bin etwas eingeweiht ja.“

„Darf ich Sie Charlize nennen? Ihr Vater hat mit viel von Ihnen erzählt. Ihr Vater und ich kennen uns noch von der Universität. Wir haben auch die Ausbildung an der UN-PT gemeinsam gemacht.“

„Klar Edward“ spitzelte Charlize zurück.

„Ich muss noch Deine Identität prüfen, Sicherheitsvorschriften. Ich bitte dich dasselbe mit mir zu machen!“

Sie tauschten Ihre IDs und Ihre Sonderstatussignaturen aus. Alles wurde vom Sicherheitsrechner der Lunaren PT gegen gecheckt. Dessen Integrität wird von der UN-PT überprüft. Wenn der Mars fertig ausgebaut ist kommt dort ein gleichwertiger Rechner hin. Aber das dauert noch ein paar Jährchen. Im Jahr 2100 soll der Mars feierlich eröffnet werden.

„OK Charlize, ich denke wir können uns jetzt offen unterhalten. Was Dein Vater Dir, wie ich glaube noch nicht gesagt hat, ist, dass ein Fehler im System vermutet wird, der das ganze System gefährden könnte. Wir sind uns aber noch nicht sicher. Eventuell sind das gewöhnliche Kriminelle, ohne politische oder sonstige Absichten. Was aber unklar ist, ist der Tatbestand, dass sie Punkte umleiten konnten. Was noch nicht so tragisch ist. Denn jeder weiß ja, dass niemand als der Inhaber damit etwas anfangen kann. Auch eines ist klar, alle zugelassenen Transferstationen, ob mobil oder nicht verfügen über ein Sicherheitsfeature, ohne das die Punkte dort überhaupt nicht geladen werden können. Man kann Punkte nicht in jeden beliebigen Computer laden. Auch die privaten Computer und die firmeneigenen Computer mit denen Punkte transferiert werden, werden von den entsprechend lokalen PTs mit dieser Signatur ausgestattet. Damit sind sie aber gleichzeitig registriert, und nichts und niemand kann dort gestohlene Punkte lagern, ohne das die PTs etwas davon bemerken. Also, warum haben diese Leute die Punkte umgeleitet, und wie, und wo sind sie versteckt?“

„Eventuell wollen sie Designer Drogen davon kaufen. Doch dazu müssten sie Ihre Biosignatur ändern. Wem gehörten die Punkte? Ein und derselben Person? “

„Das weiß ich nicht“, antwortete Foster mit strenger Miene. “Aber das werden wir herausfinden. Ihr Vater weiß bestimmt schon mehr, denke ich.“

Der Shuttle bremste. Der Mond füllte nun den ganzen Holoschirm für die Passagiere. Die Audioanlage knackste: „Hier spricht der Kapitän. Wir landen innerhalb der nächsten fünf Minuten auf der Docking-Station der Lunaren PT bei Mare Tranquillitatis City. Bitte machen sie sich abmarschbereit. Es ist hier 4 PM Ortszeit. Hier ist es immer hell,  ein bisschen wie in Alaska. Sie werden einen kleinen Timelag haben. Beim auschecken werden Sie kurz medizinisch untersucht und gegen bekannte Erreger immunisiert. Die Gravitation beträgt 0,965 g. stellenweise kann dies auf bis zu 0,4 g abweichen. Stellen sie sich darauf ein.

Da Sie Angehörige der Lunaren PT sind, sollten Sie sich nur von dessen Nahrungsgeneratoren ernähren. Die werden täglich überprüft und desinfiziert. Wir hatten vor kurzem eine Springmaus-Jelzner Epidemie auf Mare Tranquillitatis. Da auch Tiere vom ASIA-Block importiert werden, wo teilweise mangelnde hygienische Bedingungen herrschen, besteht die Gefahr, dass noch andere Viren vom Tier auf den Menschen überspringen. Eine kleine Einweisung in die Gegebenheiten des Lebens auf dem Mond werden sie auch genießen können, sofern sie das erste Mal hier sind. Ich wünsche Ihnen einen schönen Aufenthalt auf dem Mond und danke Ihnen für Ihr Vertrauen.“

„Den medizinischen Check machen wir natürlich. Den Rest können wir später nachholen“, raunte ihr Foster zu, „Soweit ich weiß bist Du das erste Mal auf dem Mond. Aber unsere Mission hat Vorrang!“.

Charlize nickte kurz.

Der Shuttle setzte auf. Die Stadt war unvergleichlich schön. Hier konnte man ganz von vorne anfangen, hatte viele Sünden von  Erdstädten vermieden. Es gab keine Skyscraper. Viele mächtige Gebäude zwar, die waren aber eher rundlich, terrassenförmig, ja teilweise fast pyramidenförmig mit ästhetischen Schwüngen und Bögen.

Es gab keine klare Trennung zwischen Wohnen, Arbeiten und Einkaufen. Alles war zusammen. Dadurch gab es weniger Transportaufkommen. Die meisten Gebäude und Leute sind von staatlichen Stellen. Es herrscht noch Gründerzeit. Nur nach und nach kommen Privatleute und suchen Jobs. Einkaufs-Malls öffnen deshalb auch nur zögerlich, da die meisten Leute von staatlichen Gesellschaften versorgt werden. Private Firmen sind auch fast autonom versorgt. Aber das wird sich bald ändern.

Was hier auch Hochkonjunktur hat ist Arbeit für Juristen. Die terrestrischen Gesetzte müssen angepasst und von der lunaren Regierung ratifiziert werden. Diese Regierung setzt sich aus Repräsentanten der guten alten Erde zusammen. Für eine unabhängige Regierung hatte man noch nicht den Mut. Sie ist aber in Planung. Dann gibt es hier zum ersten mal freie Wahlen. Einen eigenen Gerichtsstand haben die Städte schon. Die Leute klagen massenweise die Grundstücke ein, die ihre Väter und Großväter vor rund 100-70 Jahren günstig erworben haben. Wenn nicht ein lunarer Hoheitsgrund vorliegt bekommen die Leute ihre Grundstücke. Noch ist kein Platzmangel. Sinn macht ein Grundstück aber nur, wenn es in der Nähe einer Infrastruktur liegt. So alleine siedelt es sich recht unkomfortabel.

Das Shuttle landete auf der Plattform der Lunaren PT und wurde in die Ankunftshalle gefahren. Das Schott schloss geräuschlos. Es stammte noch aus den Zeiten als es keine Atmosphäre gab. Die Halle war ausgerichtet Atmosphäre und Druckausgleich herzustellen. Doch das war eigentlich nicht nötig. 

Die künstliche Atmosphäre des Mondes war in den wesentlichen Bestandteilen identisch zu der der Erde. Sie war nur mit etwas mehr Sauerstoff angereichert. Der Sauerstoffanteil lag bei etwa 25 %. Der Stickstoffanteil bei 70%.
Der Rest war wie auf der Erde Edelgase, etwas Kohlendioxyd, Methan, Helium, und Ozon. Aber kein Schwefeldioxyd und auch kein Distickstoffoxyd oder Ammoniak. Die Funktion der Ankunftshalle bestand zunächst einmal darin, eine perfekte Erdatmosphäre zu bilden, damit die Passagiere langsam an die Mond-spezifischen Gegebenheiten gewöhnt werden können.

 Charlize und Foster wurden von der Mannschaft verabschiedet und bestiegen den kleinen Ausstiegslift des Shuttle. Unten angekommen wartete schon ein kleines Gefährt. Scheinbar von Geisterhand geführt ging es weiter durch unzählige Korridore und Kuppeln. Schotte öffneten sich automatisch und schlossen sich.

 Iris-förmige, von unten nach oben, zur Seite, Charlize hatte aufgehört es zu beobachten. Leute grüßten, Roboter aller Art wieselten beschäftigt umher. Foster’s Miene war gleichgültig. Er schien das alles schon zu kennen. Plötzlich kamen sie vor ein sehr großes Schott. Hier musste es sein.

 Ein Wachmann begrüßte sie. Er steckte einen Chip in ihr Gefährt, redete mit seinem Kommunikator mit jemandem, und grüßte nochmals höflich, fast militärisch. Das fast 4 Meter hohe Schott öffnete sich irisförmig. Es stellte sich heraus, dass es drei ineinander verschachtelte Schotts waren.

 Einige Holo-Lampen fingen an zu blinken. Das musste das unsichtbare Energiefeld sein, welches nun kurz abgeschaltet wurde. Das Gefährt fuhr wieder an. Eine Brücke über einen Bach baute sich auf ein zweites Schott ging auf. Sie fuhren durch und waren drin, im Heiligtum der Lunaren PT. Sie stiegen aus dem Gefährt und gingen durch eine weitere Sicherheitstür. Eine Empfangsdame erwartete sie dort schon.

„Hallo Frau Benztinger, Hallo Herr Foster, Herr Bentzinger erwartet Sie schon. Bitte folgen sie mir“.

„Hallo Kristen, hätte nicht gedacht dich so schnell wiederzusehen“, scherzte Foster.

Kristen lachte und wies sie an einen Aufzug zu nehmen. Sie sah in ein Gerät und steckte einen Chip hinein, tippte hastig was ein und schon schlossen sich die Türen. Der Lift hielt schon nach 6 Stockwerken an. Foster erklärte Charlize, dass es die umgekehrte Richtung, also nach unten viel tiefer ging. Etwa 30 Stockwerke nach unten. Darunter sollen noch ein paar geheime Stockwerke sein. Dort soll auch der Super-Cluster Rechner sein. Oben angekommen wurden sie von Bentzingers Sekretärin begrüsst.

„Sie müssen Frau Bentzinger sein. Herzlich Willkommen! Hallo Edward!“

„Hallo Susanne!“.

„Danke. Oh man, ist das umwerfend hier!” staunte Charlize.

Das Büro von Darius Bentzinger war unter einer durchsichtigen Kuppel. Man hatte einen tollen Ausblick auf das Mare Tranquillitatis und seine neue Stadt.

Überirdische Bahnen für computergeführte Wagen hingen in der neuen Mondluft von Gebäude zu Gebäude. In der Ferne sah man schon einige Grünanlagen. Ein grosses, terrassenpyramidenförmiges Gebäude erregte die Aufmerksamkeit von Charlize.

„Das ist die Tyrell Corporation“, sagte jemand mit scheinbar ernster Miene.

„Pappa!“ Carlize sprang Darius Bentzinger um den Hals.

„Charlie, mein Engel“. Das familiäre Glück schien perfekt.

„Hallo Edward!“

„Hallo Darius!“

„Kommt rein in die gute Stube!“

„Nein, das ist die lunare IBM. Du solltest erst mal die Microsoft Gebäude sehen Charlie!“

Zwei Schotte öffneten sich und Charlize war in dem schönsten und komfortabelsten Büro da sie je gesehen hatte.

„Wie hast Du das denn geschafft Pappa?“

„Nun, ich habe sämtliche Rechner der UN-PT gehackt!“, scherzte Bentzinger.

Charlize und Foster lachten.“ Manchmal könnte man meinen, dass du das ernst meinst.“, sinnierte Charlize.

„Ernst ist die Lage in jedem Fall. Lasst uns setzen. Susanne, bitte bring uns Kaffee und etwas Gebäck.“

Ein kleiner Roboter kam zum Schott herein und brachte das Gewünschte.

„Nun, ich würde Dir hier gerne alles erst mal zeigen. Leider haben wir nicht viel Zeit. Wir müssen gleich zum Grund unseres Zusammentreffens kommen.“

„Darius, so weit ich weiss ist noch nichts wirklich beunruhigendes geschehen“.

„Edward, leider doch. Das Problem hat sich verschärft. Ich habe Sicherheitsstufe orange ausgerufen.“

„Orange ?“

„Ja, Edward. Und zwar haben wir herausgefunden, dass wir es bei den Punktedieben nicht mit ein paar gewöhnlichen Kriminellen zu tun haben. Einem unserer Systemspider ist es gelungen bei einem der gestohlenen Punkte ein Signatur-Rollback durchzuführen. Dadurch wurde dieser Punkt überhaupt erst als gestohlener Punkt identifiziert. Das heisst mit anderen Worten, die Diebe sind in der Lage die Biosignatur der Punkte zu verändern!“

„Oh Nein, nicht das!“, stöhnte Foster. „Das gab es seit der Testphase nicht mehr und da haben wir selbst noch alles kontrolliert!“

„Ich weiss, Edward. Die Diebe müssen hochqualifizierte Fachleute sein. Und sie müssen über eine Rechnerinfrastruktur verfügen, die der der UN-PT ebenbürtig ist. Nur solche Rechner wären theoretisch überhaupt in der Lage die Signatur zu knacken. Mal abgesehen von dem Spezialwissen, was man braucht.“

„Wenn die über solche Möglichkeiten verfügen, dann können die sämtliche grösseren Punktevorräte manipulieren, jeden bestehlen und das ganze System in Gefahr bringen. Ausserdem könnten sie die Punkte im Grid manipulieren.“, folgerte Foster.

„Ja genau, Edward. Und es könnte noch schlimmer kommen. Unsere Szenario-Rechner haben herausgefunden, dass diese Leute eventuell in der Lage sein könnten einen Signatur-Virus zu basteln. Dieser wäre dazu fähig, einmal ins Grid oder in staatliche und firmeninterne Netze eingeschleusst, sämtlich Punkte zu analysieren, zu modifizieren und den gesamten Punktefluss zu kontrollieren. Das hätte katastrophale Auswirkungen auf jede ökonomische Aktivität!“

Charlize holte ihren Zigarettomat aus der Allzwecktasche. Foster lehnte sich zurück und nahm einen Schluck Kaffee.

Es herrschte gespannte Ruhe im Raum. Einige Lämpchen flackerten, hier und da gab der Gencomputer einige Meldungen aus. Charlize schaute in die Ferne. Wie schön hier doch alles aussieht. Ist das alles nur trügerisch ?

„Das ist ja eine schöne Bescherung.“, kommentierte Charlize.“ Aber wie soll ich denn euch helfen?“

„Nun“, antwortet Bentzinger „Ich habe da so ein Gefühl, dass Deine Kenntnisse auf dem Gebiet der Genforschung uns noch sehr nützlich sein könnten. Ich habe es mit Berenger diskutiert. Er war am Ende meiner Meinung. Wir brauchen Hilfe von aussen. Da es bei uns in der Familie bleibt, habe ich auch das Vertrauen, dass alles was hier gesagt wird, den Raum nicht verlässt. Ich verzichte darauf bei Dir, Charlize einen Recall-Block zu setzen. Wir müssen uns vertrauen, sonst hat es keinen Zweck!“

„Ja, Vertrauen ist wichtig, Pappa. Du weißt ja, wie ich dazu stehe. Grossvater hat es Dich gelehrt. Du hasst es mich gelehrt. Ich denke, wir brauchen darüber nicht zu sprechen. Aber warum ich? Hat die UN-PT keine Gentechniker?“

„Doch, natürlich. Aber die wissen im Augenblick nicht weiter. Die sind quasi betriebsblind, können die Lücke im System im Augenblick nicht dingfest machen. Wie müssen aber schnellstens Erfolge vorweisen. Der Prozess mit den Punkten ist im Augenblick irreversibel. Wir haben keinen Notfallplan, der uns erlaubt wieder Bargeld einzuführen. Wie ihr wisst, benutzt die ganze Welt dieses System. Die Afrikanische-Union PT, die ASIA-Block-PT, die UN-PT und die UEPT, alle warten darauf, dass wir alles wieder sicher machen. Theoretisch gäbe es eine Möglichkeit, alle Signaturen zu löschen. Die Super-Cluster Rechner der UN-PT mit ihrem wissenschaftlichen Stab sind gerade dabei eine Stufe in der Sicherheitshierachie höher zu gehen. Dann könnten wir alle Punkte neu signieren lassen. Doch ihr wisst, was für ein Aufwand das wäre. Damit niemand etwas verliert, muss vorher alles gesichert und drei mal gebackupt werden. Dann die Verunsicherung, die das bei den Marktteilnehmern auslösen würde. Und…“

„Und was?“, insistierte Forster.

Charlize nahm einen Zug an dem Zigarettomat, die Marke hatte sie gar nicht beachtet, es war Gaulloise stark.

Bentzinger zögerte.

„Was ist los Darius, was verheimlichst Du uns da noch?“

Alle starrten Darius Bentzinger an. Er war ein Grossmeister des Systems. Ausser dem Chef der UN-PT, Berenger, und vielleicht dem der UEPT und der ASIA-Block PT und den Regierungschefs gab es praktisch niemand mehr in der Hierarchie über ihm. Die Firmenchefs, nun die verdienten weniger und hatten mit mehr Unruhe im Markt zu kämpfen. Das war Ansichtssache. Mehr Prestige hatte die Lunare PT in jedem Fall. Sie arbeitete mit dem Neuesten vom Neuesten und war gegenwärtig der Kontrollpunkt für alle terrestrischen PTs. Nur wenn der Mars soweit wäre, würde sich daran was ändern. Doch den Sprung zum Chef der Mars PT trauten Bentzinger alle zu.

„Es gibt da noch ein Punkt der uns Kopfzerbrechen macht.“

„Ich glaube ich weiss worauf Du hinaus willst, Darius. Ich frage mich nämlich die ganze Zeit, wem sie Millionen von Punkten stehlen konnten?“

„Du bist auf der richtigen Fährte. Es war nicht irgendwer. Es war nicht irgendwo. Es war kein Privatmann oder –frau, keine Firma, Fonds oder sonst was. Die Punkte entstammen alle der digitalen Punkteproduktionsstätte der UN-PT auf Long Island.“

„Oh Nein“, entwich es Foster, „Ich ahne schlimmes…“.

„Ja genau, wenn Du denkst was ich weiss bestimmt. Nicht nur wie die es haben schaffen können, am für digitale Daten sichersten Ort des Sonnensystems einzubrechen. Dieser Teil der Punkteproduktionsstätte, aus dem die gestohlenen Punkte entstammen ist nicht der, der für den freien Markt freigegeben ist. Nein, es ist eine Testproduktion. Und zwar werden hier Beta-Versionen der neuen Sicherheitsstufe getestet!“

Fosters Augen wurden schmal.“ Aber wir erstellen doch immer mindesten zwei verschiedene neue Beta-Versionen und wählen dann aus. Das heisst, wir könnten die andere benutzen für unseren Notfallplan!“

„Das ist soweit die gute Nachricht“, pflichtete Bentzinger bei.

„Ich brauch jetzt ne’ Designer Droge“, stöhnet Charlize.

„Hahahaha, kann ich gut verstehen. Aber Du musst noch warten, bis wir Dir Deine Unterkunft gezeigt haben. Du wohnst hier natürlich in den Unterkünften für hohe Mitarbeiter der Lunaren PT. Solange Du den Sonderstatus hast, und der kommt nicht nur von mir, sondern auch von Berenger, darfst und musst Du das sogar. Für diese Sicherheitsstufe taugen keine Gästewohnungen. Wie sollten uns jetzt einen Schlachtplan machen. Dann sage ich Berenger Bescheid. Wir müssen ein Team zusammenstellen. Wir brauchen noch einen Techniker von der UN-PT, einen vom terrestrischen Geheimdienst, und einen Wirtschaftsfachmann. Eventuell noch einen Informatiker von aussen.“

„Da könnte ich jemanden vorschlagen“ preschte Charlize vor und blies den Rauch aus.“ Und zwar den Sohn von Prof. Segenhert, Santer Segenhert. Er ist 28 und habilitiert sich gerade in Neuroinformatik am MIT“

„Ja, an den habe ich auch schon gedacht. Und was ist mit deinem Freund Zed?“

„Nun, Zed ist Gridspezialist. Er hat seinen Doktor über Bezahlsysteme mit biometrischen Punkten im Grid gemacht. Das könnte auch passen. Wenn Du willst, werde ich ihn kontaktieren.“

„Nein, bitte gib mit nur seine Gridcode vom Arbeitsplatz. Ich erledige das über unsere Kanäle, das ist sicherer. Dann brauchen wir natürlich noch jemanden vom Biosignatur-Algorithmus Team des MIT“

„Ja natürlich. Hier ist der Gridcode von Zed.“ Charlize überreichte ihrem Vater eine Holokarte.

„OK, ich kontaktiere alle Leute, die wir für unser Team benötigen. Charlize, Susanne wird Dir Dein Quartier zeigen. Danach meldest Du Dich bei Edward. Edward, richte einen Sonderstab ein, mit den Leuten wie besprochen und denen von der Lunaren PT und der UN-PT, welche Du für richtig haltest. Wir treffen uns im grossen Kommunikationsraum in 2 Stunden.“

Die beiden verliessen das Büro und taten wie geheissen.

„Susanne, bitte gib mir mal Prof. Segenhert auf der Rot Null-Eins.“

Eine rot –orange Lampe leuchtete auf dem Grid-Kommunikator. Eine abhörsichere, interne Leitung der UN-PT.

„Darius ?“

„Hallo Ward. Wie Du weißt, stecken wir in immensen Schwierigkeiten. Hast Du mein letztes, internes Kommuniqué gelesen?“

„Ja. Danke für die Einweihung. Ich bin einverstanden, dass mein Sohn mithilft. Wir werden ihn brauchen. Und die Leute von Long Island. Ich habe schon mit Berenger gesprochen. Die beiden Wissenschaftler, welche für die Betaphase der nächsten Sicherheitsstufe zuständig sind kommen zu euch nach Luna. Ich und Berenger werden auch kommen. Wir können in 3 Stunden da sein. Und ja, dieser Zed Carlyle wird auch kommen. Wir richten auch auf Long Island und in der UN-PT einen Sonderstab ein, mit dem wir uns beraten können. Was noch wichtig ist, hat Berenger gesagt, sind unsere V-Männer Kontakte zu verschiedenen Untergrund Organisationen. Irgendwie müssen wir herausfinden, wer dahinter stecken könnte. Mir ist wie euch nicht klar, wer das technische Wissen und Equipment hat um einen solchen Diebstahl durchzuziehen und wer davon überhaupt profitieren könnte.“

„Ja, das ist die Frage. Bis jetzt sind auch noch keine Bekennerzeilen rübergekommen. Wir müssen erst herausfinden, ob das Grid-Hacker waren, die uns auf Sicherheitsmängel aufmerksam machen wollen. Ich persönlich glaube das jedoch nicht. Die ganze Aktion scheint mir eine Nummer zu gross für solch einen Hintergrund.“

„Das denke ich auch. Aber wir müssen natürlich erst mal alle Eventualitäten ausschliessen. Lass uns das später diskutieren. Ich mache mir unterwegs ein paar Gedanken und schliesse mich mit meinem Mitarbeiterstab kurz. Wir sehen uns!“

„Bis gleich.“

„Susanne, gib mir Bailjewsky auf der internen Rot Null Eins!“

Bailjewsky war der Leiter der technischen Abteilung der Lunaren PT.

„Darius ? Ich habe Neuigkeiten für Dich!“

„Sergei, ich hoffe nur Gutes!“

„Leider nicht. Wir haben Aktivitäten im Bereich der ASIA PT entdeckt in Bezug auf die gestohlenen Punkte. Wir vermuten es zumindest. In China gab es einen Transfer – Alarm. Es müssen enorm viele Punkte ins System eingeschleust worden sein. Und halt Dich fest, die Punkte konnten legal einigen Leuten und Organisationen zugeordnet werden. Es fand also keine Änderung der Biosignatur der Punkte nach dem Personifizierungsstadium statt. Der Rollback den wir durchführten ergab, dass es die Gesuchten von der Betaphase waren. Sie wurden den ursprünglich dafür vorgesehenen Empfängern zugeordnet. Danach keine Änderungen mehr.“

„Unglaublich, Sergei ! Wir müssen unseren Abwehrdienst kontaktieren, um herauszufinden, wer dahintersteckt!“

„Habe ich schon veranlasst. In Kürze bekommen wir eine genaue Analyse der Leute und der dahinterstehenden Organisationen. Die Punkte Profiler sind schon am Werk. Ich sage es nur ungern, aber wir brauchen einen Notfallplan, falls dieser Virus um sich greift. Wir müssen unsere technischen und ökonomischen Optionen ausloten und Lösungen für verschiedene Szenarien parat haben.“

„Genau meine Überlegungen, Sergei. Bereite mit Deinen Leuten schon mal alles vor. Wir sehen uns in 2 Stunden im grossen Kommunikationssaal.“

„Bis dann, Darius. Und halte mich auf dem Laufenden.“

Es gab für eine solche Situation keine konkreten Pläne. Man war über vage Überlegungen nicht hinausgekommen, da man sich bis dato solche Vorgänge nicht hatte vorstellen können. In den Machbarkeitsstudien und Sicherheitsanalysen vor Einführung des Punktesystems waren solche Szenarien als unwahrscheinlich abgetan worden. Nun, hätte man es ernsthaft in Erwägung gezogen, wäre der Punkteplan verschoben worden oder vorzeitig gescheitert. Die Lobby des Punkteplans hat da gesiegt. Die Vorteile waren nicht von der Hand zu weisen.

Jetzt muss die gesamte PT beweisen, dass sie mit einer solchen Situation fertig wird, erklärte Bentzinger sich selbst. Wir müssen jetzt unsere Qualifikation im Job beweisen. Mehr noch, das gesamte ökonomische System hängt davon ab. Oder wir fallen zurück in die Steinzeit.

Die PT Interne Rot Null Eins leuchtete auf. Das Grid zeigte das Symbol der UN-PT, Chefbüro Berenger.

„Paul, bist Du schon auf dem Weg?“

„Ich breche gleich auf, Darius. Ich bringe einige Analysen mit. Nach meiner ersten Einschätzung muss es etwas im System geben, was wir noch nicht kennen. Ich werde sonst aus den Daten nicht schlau. Einerseits können die die Signatur ändern, andererseits brauchen sie es nicht unbedingt. Die Sache in China beweist es. Wer handelt denn so ? Wenn ich die Punkte in Long Island in der Betaphase stehlen und die Biosignatur ändern kann, dann habe ich doch die Lizenz zum Punkte herstellen. Also, warum nutze ich diese Möglichkeit nicht?“

„Das ist die entscheidende Frage, so wie es aussieht. Unsere Punkte – Profiler müssen da ran. Wenn wir diese Frage klären können sind wir einen entscheidenden Schritt weiter. Wir sollten hier in der Lunaren PT das mit den Fachleuten besprechen. Nur hier sind auch die entsprechenden Rechner um alles zu validieren. Kannst du in ca. anderthalb Stunden da sein?“

„Ich denke schon. Für solche Fälle kann ich mich auf die Notstandsgesetze berufen und geniesse höchste Transportpriorität. Prof. Segenhert und sein Team, sein Sohn sowie Zed und die Techniker von Long Island nehme ich mit. Bis gleich!“

„Ich bin schon gespannt auf Deine Analysen. Bis dann.“

 

Der Punkteplan Kapitel 3

geschrieben von Sternau \\ tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Jun 19

Kapitel 1

Charlize wachte auf und schüttelte sich. Die letzte Nacht war anstrengend gewesen. Ohhhhh man, diese Designer Drogen! Sie erinnerte sich nicht mehr an deren Bezeichnung. Der Kopf dröhnte. Viel stechender war der Erinnerungsschmerz um deren Finanzierung. Ja genau, damals im Jahr 2082 hat der Regierungsrat der Europäischen Union das Geldwesen revolutioniert. Früher dachte man, der Clou der Zeit bestehe in der Veröffentlichung der Kennedy-Akten, doch heute interessiert das fast niemanden mehr – es steckten eh alle üblichen Verdächtigen mit drin. Die US-amerikanische Regierung ist genau wie die Regierung der Europäischen Union im Begriff einige wesentliche Funktionen an die UNO abzugeben.

Naja, wen interessiert das schon. Charlize stand auf und bediente den Kaffeehydratisator. Eine Trockenpille rein – Zisch – Pfft – Blubber … und das Koffein-Gesöff war fertig, bereit die Reise in die Venen anzutreten, oral versteht sich. Die vielen Nanohelfer werden schon keinen Kalk zulassen   ….   Jipppeijeeye, ein Hoch auf die Technik!

Nur Kaffeehydratisierungspillen, ja genau, die konnte man nicht mit denselben Punkten bezahlen wie Designer Drogen oder die Miete oder Weiß-der-Kuckuck was für´n Zeug. So war das nämlich, dachte Charlize, halb begeistert, halb ungläubig    ….. die Jungs von der UN haben doch tatsächlich die Kohle in Ihrer herkömmlichen Form abgeschafft!

Ja, seit dem Punkte-Gesetz der UN in seiner Fassung des Europäischen Regierungsrates vom 01.07.2082, Ausarbeitung der damaligen EZB wurde der Euro durch Punkte ersetzt. Und das weltweit! Kein Greenback mehr, kein Yen, kein Rand kein nichts mehr. Nur noch diese verflixten Punkte^^!

Charlize sah sich im Holospiegel an – Wau, der Hintern war noch recht knackig für ihre 38 Lenze, die Brüste, nun ja, nicht zu groß, nicht zu klein aber kein Volumenkissen drin! Der Holospiegel spuckte alle Blutwerte aus: Cholesterin OK, Zucker OK, LDL/HDL OK, kein Krebs, kein Aids und auch keinen Springmaus-Jelzner Virus  …. Yeah, you got it babe!

Jetzt wird schnell das Grid angeschmissen um zu sehen, was die Aktienkurse so machen. Der Kaffeehydratisator war in der Nähe und leitete über das wohnungseigene Netzwerk den Befehl zum starten des Quantencomputers weiter. Jaja, dieses altmodische Ding, für einen Gen-Rechner hat es noch nicht gereicht. Außerdem reicht der für meine Zwecke aus. 150 QuBit sollten eigentlich genügen, kicherte sie.

Das Grid öffnete sich, und über ihre persönlichen Einstellungen erfuhr sie, dass sie für diesen Monat noch über 385 Lebensmittelpunkte, 65 Kulturpunkte, 123 Transportpunkte, 39 Alkoholpunkte, 300 Jokerpunkte – streng gebunden natürlich-. 15 Antimietpunkte, 150+ medizinische Punkte, 5 Sonderpunkte von der Gesundheitsbehörde für staatlich geförderte Designer Drogen, 567 Bildungspunkte, jährlich abbuchbar, 200 allgemeine Beratungspunkte, 345 Alimente Punkte für ihre 8-jährige Tochter Amily und ihren 12-jährigen Sohn Ken, und 209 Punkte für ihren allgemeinen Bedarf, die über eine kontrollierte Umtauschfunktion aufwiesen, verfügte. Achja, die brauche ich auch, denn meine Mietpunkte sind bei 15 Antipunkten angelangt.

Charlize wählte sich über das Grid in die lokale Station der Südwestdeutschen Transfergesellschaft (SWT) ein. Schnell die Genehmigung einholen um 15 Allgemeinbedarfspunkte in Mietpunkte umzuwandeln. Und Bingo, die 15 Punkte wurden auf das Konto der Wohnraumbeschaffungs- und Vermittlungsgesellschaft der Europäischen Medien-und Bildungssocietät transferiert und transformiert.


Das wäre geschafft. Charlize ging zum Nahrungsgenerator. Sie schaute nach, ob der Vorrat an Genmaterial und RNA noch ausreichte und bestellte dann einen gemischten Salat, einen Orangensaft und Ham & Eggs. Pflusch machte es, der Nahrungsgenerator gab grünes Licht. Hmm, das schmeckte … gar nicht so richtig?

Denn mit einem lauten Pfeifen spuckte das Grid ihren automatisch getriggerten Punkte Hebesatz aus: Er ist um 0,5 % auf den Faktor 1,45 gesunken, da sie versucht hatte, Lebensmittel DNA an die Computer- und Designerdrogen- Industrie zu verkaufen.

Sie verfluchte die Zweite Unabhängige Europäische Punktetransferstelle (ZUEPT). Deren gab es drei in Europa. Die UEPTs sind genau wie ihre Pendants in Asien, Amerika und Afrika dafür zuständig, die Hebesätze für das Verdienen von Punkten zu bestimmen. Diese Gesellschaften sind unabhängig, werden von der UN-PT und den Unabhängigen Punktevertrauensmännern (UPVM) kontrolliert. In jedem Ortskreis im deutschen Teil der EU gibt es mehrere PVMs. Sie tun dasselbe wie die PTs, sie rechnen den Hebesatz fürs Verdienen aus.

Uff, die Microsoft Aktien sind leicht gestiegen. Jedenfalls die der eigenständigen Microsoft Open-Source AG Europa. Das macht die Hebesatz Misere fast wieder gut! Es war schon eine wahnsinnige Idee das Geld abzuschaffen und durch Punkte zu ersetzen, seufzte Charlize vor sich hin. Ab sofort verdiente man nicht nur nach dem Leistungsprinzip, oder nach dem Egotrip – und Arschlochprinzip, ergänzte Charlize mit bebender Stimme, sondern es fließen andere Bewertungskriterien mit ein.

Der Punkte-Hebesatz, durch den man mehr als 100 Prozent seines Grundgehaltes verdienen kann, wird bestimmt durch Charaktereigenschaften, soziales Engagement, nützliche Tätigkeiten für die Allgemeinheit wie Schaffung von Kultur oder die Entwicklung zukunftsträchtiger Ideen, Fürsorge für die eigene Familie, Kriminalstatistik und Sonderbereiche.

Die Entscheidung, wie der Hebesatz ausfällt wird in Europa von den Unabhängigen Europäischen Punktetransferstellen und den Unabhängigen Punktevertrauensmännern getroffen. Die 3 UEPTs und die UPVMs überwachen sich gegenseitig. Eine Veränderung im Hebesatz von über 0,25 % muss einstimmig erfolgen, es sei denn, es liegen außergewöhnliche Faktoren vor. Wenn jemand sich besonders im guten Sinne hervortut kann von ihm eine Eingabe beim nächsten UPVM gemacht werden und im Eilantrag von den mindestens 3 zuständigen UPVM und der jeweils zuständigen UEPT entschieden werden. Bei entsprechend negativ zu bewerteten Verhalten ist das Gremium aus Vertretern der lokalen UEPT und der UPVM zuständig.

Um das zu begreifen gingen an der Schule meine ersten Bildungspunkte drauf, sinnierte Charlize. Doch was für ein berauschendes Gefühl war das, als sie im zarten Alter von 9 Jahren begriff, daß sie mit 25.000 Bildungspunkten schon geboren worden war!

Da Ihr Vater eine Vater-Kind Übertragung des vererblichen Hebesatz-Faktors für Geborene ab dem Jahr 2040 von 1,12 bei der UEPT geltend machen konnte, stiegen alle Pränatalen Punkte, und natürlich nur ausschließlich die um eben den Faktor 1,12. Leute mit weniger begabten Vätern durften immer noch den europäischen Durchschnitt beantragen, der betrug im Jahr 2095 1,07.

Der europäische Durchschnitt errechnete sich nicht nur aus dem Durchschnitt des vererblichen pränatalen Hebesatzes, sondern auch aus der gegenwärtigen volkswirtschaftlichen Lage, dem Produktivitätsniveau, aber auch aus dem statistischen Sozialfaktor. Dieser Sozialfaktor, rezitierte Charlize von vom Grid-Nodepoint der Hebesatz-Implementierungs- und Kontrollkommission in Amsterdam, berechnet sich aus dem allgemeinen Charakter und Social-Behavior Index, der Kriminalstatistik und Sonderfaktoren.

„Nun ja, das ist alles … “ ein schrilles „JiiiJu JiiiJu“ unterbrach Charlize in ihren Überlegungen. Der Wohnungskommunikator des 24h-Bereitschaftsgrid öffnete einen Kanal auf ihrem altmodischen Plasmawandschirm, direkt gegenüber der Schreibtischecke. Für einen Holoschirm hatte sie noch nicht soviel übrig. Die Dinger versprachen eh noch nicht das, was man in den alten Star Trek Folgen anpries. Aber so sicher war sie sich da auch nicht. Die modernen Serien mochte sie lieber.

„Hallo Zed“ krächzte Charlize, nachdem sie die Bildmute-Taste gedrückt hatte. „Ich muss mir noch schnell meinen Morgenmantel anziehen!“

„Macht nichts“ konterte Zed, „ich weiß noch von vorletzter Nacht, wie Du aussiehst!“

Charlize schaute etwas verlegen Richtung der Human-Recognition-Device und betätigte abermals die Bildmute-Taste.

„Nun Zed, ich bin noch ein bisschen geschafft von gestern, was gibt’s denn so dringendes, dass Du ich am Mond-Tag so früh um 9:30 Uhr anrufst?“

„Nun, ich wollte mit Dir darüber reden, was wir letztens besprochen haben, Du weißt schon, Deine Zukunft als Gentechnikerin?“

Charlize war nicht erfreut. So früh schon solch ernste Gespräche. Sie nippte am Kaffee und nahm den Zigarettomat in die Hand. Ein Knipps und man konnte garantiert schadstofffrei rauchen. Das Nikotin war auf „Intern Eliminieren“ eingestellt. Das übernahmen die Nanobots.

Charlize blies den Plasma-Rauch in den Raum. Der Ansauger erledigte den Rest. Tja, in diesen hochmodernen Wohnblocks die ab 2075 gebaut wurden, war nichts dem Zufall überlassen worden: Klimaanlagen, Phasensynchronisation mit Einbezug aller möglichen natürlichen Phänomene wie Magnetfelder, Erdbeben-, Tsunami- und Twisterwarnung, solare CMEs und Sunspots, lunare Gravitation, biometrische Messgeräte um Punkte zu individualisieren,… .

„Nun, was denkst Du“, unterbrach Zed sie ein wenig harsch.

„Ich frage mich, welche Designer Droge wir gestern genommen haben ?“

„Ja, das ist eine gute Frage!“; grinste Zed. „Die war nicht leicht zu beschaffen und ziemlich teuer. Ich glaube sie hieß HIE-AC2. Das steht für Human Immune Evolution – Addiction Compensation 2.

Das ist das Neueste vom Neuesten. Die Bayer Labs stellen das her. Ist sowohl geeignet für Süchtige als auch für Nicht-Süchtige. Süchtige werden dadurch langsam entwöhnt. Die Nicht-Süchtigen haben keine Suchtgefahr oder Nebenwirkungen zu befürchten. Ist ein genetischer Faktor. Oder auch Hammer“, lachte Zed. „Aber Du wolltest doch was anderes machen als so ein Zeug zu entwickeln, oder?“

„Genau“, hauchte Charlize.

„Zzzzzt, Bliiip“ machte es. Ein zweites kleines Bild öffnete sich auf dem Plasma- Schirm.

„Hallo Mama“ sagte Ken.

„Hallo Ken, wie geht’s Dir, was gibt’s“ nuschelte Charlize und drückte auf Mono-Mute.

„Nun, heute am Wochenbeginn sollte ich eigentlich am Schul-Grid arbeiten. Ich habe aber irgendwie gar keine Lust. Ich freue mich schon auf die Aufzugsfahrt zum Erdorbit und den Besuch von „Zukunftswelt“ auf dem Mond. Seitdem Pappa auf dem Mond arbeitet ist dort für uns fast alles möglich geworden. Das lässt mir irgendwie keine Ruhe….“

„Kann ich verstehen, Ken“, antwortete Charlize, „aber ich habe gerade ein wichtiges Gespräch auf dem anderen Kanal. Ich schicke Dir ein paar Grid-Punkte, da kannst Du dir ein schönes 3D-Holo Rollenspiel aussuchen. Ich rufe später zurück.“

„Au klasse! Bis später Mama.“

Das Mono Mute löste sich automatisch, als Ken aus dem Kanal ging. Charlize nahm einen kräftigen Zug vom Zigarettomat. So ein Ding verfügte über eine Kapazität von 15.000 Zigaretten. Sogar die Marke konnte man einstellen.

„Nun Zed, ich habe darüber nachgedacht. Ich werde nächsten Monat beim MIT anfangen. Unser Ziel ist es, den Homo Sapiens genetisch so zu verändern, dass möglichst viele Anachronismen welche aus unserer Entwicklungsgeschichte unter Einbezug unserer Humanoiden und tierischen Vorfahren sowie der Mikroorganismen ausgemerzt werden. Zunächst konzentrieren wir uns auf das Aggressionsverhalten und die hormonelle Steuerung. Der präfrontale Cortex soll als rationaler Taktgeber bestärkt, das Stammhirn entsprechend angepasst werden.“

„Weißt Du“, führte Charlize weiter aus, „wir müssen viel am N-QGate-Vortex simulieren, wir simulieren auch mit künstlichen Klonen. Diese Klone wurden nicht geboren. Sie wurden künstlich hergestellt, wie Dummies. Dafür haben sie aber kein echtes Bewusstein. Das übernimmt der Human-Simulation Cluster. Man, der verfügt über komplex konjugierte 680 YottaFLOPS in jeder seiner 64^64^128 Q-Gates nach der Bounded Quantum Error Correction Welleneliminierung! Das sind 2 ^ 80 * 680 Fließkommaoperationen pro Sekunde für theoretisch jede einfache QGate Anmessung im AdS5-Phasenraum.“

„Ist ja voll geil“, sülzte Zed, „dann verabschiedest Du dich vom Projekt ‚Ernährungsumstellung auf Kunstnahrung‘?“

„Ja, in jedem Fall“, antwortete Charlize, „ohne Verdauungsapparat auskommen zu können wäre schon interessant… „, sinnierte sie, “ …wie viele Krankheiten könnte man da von vorneherein eliminieren?! Ernährung könnte damit auch günstiger werden. Die nächste Stufe schockt mich dann aber schon!“

„Klar“, führte Zed den Gedanken fort, „kann das Gehirn allein existieren, in einer entsprechenden technischen Umwelt, die Quasi-Unsterblichkeit… Aber das ist noch Science Fiction“.

„Ich weiss, Zed, das glaubten unsere Eltern von dem was wir heute machen auch! Ein intelligenter Mensch hatte mal gesagt, daß Science Fiction die wahre Wissenschaft sie, schon weil sie sich mit der Zukunft beschäftigt, doch eigentlich geht es dabei nicht primär um das Verhältnis Mensch-Technologie oder ähnliches, sondern um das Schicksal der Menschen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft….“

„Klar, und Deckard war ein Replikant…“.

„Jedenfalls habe ich das Angebot vom Massachusetts Institute of Technology definitiv angenommen. Jetzt zahlt sich das Gentechnologie-Studium aus. Meinen letzten Nebenjob als Mediengestalter des Internet 3 und dessen globaler Nachfolger, dem Grid, gebe ich auf. Hmm, meine Gridkenntnisse zur optimalen Formulierung komplexer Suchanfragen kann ich dabei gut gebrauchen.“

„Ja klar. Aber ziehst Du jetzt nach Cambridge in Massachusetts?“

„Nein, vorerst nicht. Ich benutze die transatlantische Rohrpostverbindung. Die fahren jetzt mit 5500 km/h. Das geht ruckZug. Aber ich fahre nicht jeden Tag rüber. Hauptsächlich am Wochenende komme ich zurück. Dort gibt es Scientific Staff Housings. Später, wenn alles gut läuft, nehme ich mir dort eine Wohnung.“

„Das finde ich alles waaaaahnsinnig toll!“, kommentierte Zed.

„Ja, ich auch.“ pflichtete Charlize bei.

„Das Grid als Nachfolger des Internet 3 ist schon toll. Jetzt kann man da einfach bei den Suchmaschinen ganze Sätze als Fragen formulieren und bekommt eine maßgeschneiderte Antwort. Sogar in einer Form, wie sie vorher im Netz nicht vorhanden war. Ich denke, Charlize, deine Kenntnisse auf diesem Gebiet werden dir bei Deinen Forschungsarbeiten helfen. Und…“

….. „Ding Ding“  ….. machte es.

„Oh, meine Kommunikationspunkte sind abgelaufen, Charlize. Ist leider kein kostenloses Ortsgespräch. Kannst du mir ein paar Kommunikationspunkte ausleihen?“

„Mein Punkte-Bioscan-Binder ist defekt. Ich kann die Kommunikationspunkte im Augenblick nicht von meiner Biosignatur lösen. Toll, geklaut werden können sie mir damit auch nicht. Aber weitergeben würde niemandem was bringen. Die sind einfach wertlos für jeden außer mir! Ich werde mal die biometrische Signatursynchronisation überprüfen lassen! Bis heute Abend musst du noch warten. Mein NanoID Scanner sagt mir, dass Du in Frankfurt bist. Danke, dass du mir Deine Frequenzen freigegeben hast! Was machst’n Du in Frankfurt?“

„Nun, so dies und das, hauptsächlich Designer Drogen verticken.“ witzelte Zed. “ Nee, ich nehme an der diesjährigen IJCAI, der International Joint Conference on Artificial Intelligence teil. Mein Themengebiet ist: ‚Intelligenzverstärkung durch Chipeinpflanzung ins menschliche Gehirn’. Möglicherweise lässt sich das Ding ja tunen, hahahhaaa“.

„Smile, Bei Dir aber nicht, denn Du verfügst über kein selbstorganisierendes Prinzip, wenn man mal von Deinen Punkten absieht“.

„Ho Ho Ho!“, konterte Zed.

„OK, Zed, ich muss jetzt Schluss machen. Wir können ja heute Abend noch mal quatschen. Tschau!

„Tschüss Charlize, und halt die Ohren steif!“

„Versteht sich!“

Charlize erledigte die Morgentoilette und zog sich an. Ganz normale Klamotten. Ohne Chip! Der ständige Rechnerkontakt nervte nämlich. Sie kramte sämtliche Nano-Chips aus den Taschen und lies sie löschen. Die Dinger konnte man für viel schöneres verwenden. Zum Beispiel zum Identitätsklau. Oder um eventuelle Nachspionierer in die Irre zu führen. Oder zum Aufbau einer Zweitidentität? Doch die UVPMs und die UEPTs konnte man damit nicht narren. Die überprüften die eigenen Angaben wenn nötig mit anderen Mitteln. Keiner weiß genau wie und womit. Doch das, so schwor sich Charlize, würde sie auch noch herausfinden.

Kann man denen denn vertrauen? Ja über mögliche Formen des Vertrauens, wie man es sich verdient und was man damit anfängt ließe sich auch prächtig forschen. Ob das was mit Evolution zu tun hat? Bestimmt! Ihr Großvater erzählte ihr damals immer wieder die Story von Nick Leeson und der Baringsbank. Er sagte zu ihr: „Charlize, wenn die sich hätten vertrauen können, also wenn Nick hätte sagen können, dass er einige Millionen in den Sand gesetzt hat, ohne befürchten zu müssen abgeschossen zu werden, dann hätte er nicht weitere Risikopositionen eingehen müssen, mit denen er vergeblich versuchte alles glatt zu stellen.“

Tja, da kam ihm so ein Erdbeben in die Quere, erinnerte sich Charlize, dann war es um seine Spekulationen endgültig geschehen … die Baringsbank ging pleite!  Heute gibt’s ja keine Banken mehr in der Form. Und pleite gehen können die so ohne weiteres auch nicht mehr. „Das geht aber nur über Vertrauen“ hörte Charlize immer noch ihren Großvater sagen, “ … hörst Du Charlize? Wer gutes denkt, der gutes empfängt und gutes triggert“ Das ist mein Wahlspruch.“

Toll, toll, nur wem kann man heutzutage noch vertrauen? Und wer interessiert sich schon für einen als Mensch? Nun ja, ich muss diese Gedanken ein anderes Mal zu Ende denken, entschloss sich Charlize.

Was mache ich jetzt als nächstes? Mit den MIT Leuten die Vorbedingungen besprechen? Oder zum Tag der offenen Tür bei der Microsoft Betriebssystem Division rein Schneien? Noch habe ich ein paar freie Tage. Ich gehe erst mal etwas bummeln!

Charlize steckte sich alles ein, was man in der Stadt so braucht. Da ist der biosignierte Punktetransformer. Dies ist ein kleines, handliches Gerät mit welchem man überall bezahlen kann. Die Punkte, mit welchen es aufgeladen ist, sind mit biometrischen Merkmalen personifiziert. Am gebräuchlichsten sind der Iris-Scan der Augen und seit neuestem, der absolute Hammer, ein genetischer Fingerabdruck. Dazu hat das Gerät eine kleine Öffnung, in die man beispielsweise ein Haar reingeben kann, man kann auch reinspucken, und schon kennt das Gerät den genetischen Fingerabdruck des Besitzers. Vornehme Leute lassen das von der lokalen Station einer Punktetransferstelle machen und übernehmen in ihren portablen Geräten die Signatur.

Das vom internen BioScan-Grid angetriggerte Repair & Save Programm hatte seine Arbeit erledigt, die Biosignaturen waren wieder synchronisiert, Charlize war wieder „flüssig“.

Jedenfalls wenn man bezahlen, oder heutzutage sagt man, wenn man Punkten, möchte, lässt man das Gerät seine Identität überprüfen, dazu ist der Iris-Scan immer noch am praktischsten, und erlaubt den Punkten auf das entsprechende Gerät des Empfängers überzuspringen, und dessen Biosignatur anzunehmen. Man nennt das „transferieren und transformieren“ oder DoubleTrans, wie die Amis sagen.

Falls man sein Gerät verliert, so kann man das bei der entsprechenden Punktetransferstelle melden. Ein etwaiger Dieb kann jedoch rein gar nichts damit anfangen, denn alle Punkte haben eine digitale, biometrische Signatur des Besitzers. Diebstahl ist gegen Ende des 21.Jahrhunderts, jedenfalls was Zahlungsmittel angeht, fast unmöglich.

Ach, ist eigentlich schon erwähnt worden dass es keine physischen Punkte (früher, als es noch den Euro gab nannte man es Bargeld) mehr gibt? Alle Punkte sind digital, weltweit. Es gibt also keine Währungsrisiken mehr. Der genau Bestand an Punkten, weltweit, wird von der Punktetransferstelle der UN (UN-PT) täglich ermittelt. Da alles digital ist, können sämtliche Punktebewegungen aufgezeichnet werden. Der Super-Punkte-Cluster Rechner der Punktetransferstelle der UN, und natürlich auch der der europäischen Punktetransferstellen, bestimmt exakt alle wirtschaftlichen Risiken und Erfordernisse wie Inflation- oder Deflationsgefahren, Wirtschaftswachstum und Stagflations-Szenarien, Leitzinsen, Verschuldungsgrade, Eigenkapitalquoten im Vergleich zu wirtschaftlichen Kenngrößen und Handelsbilanzen,  Grad des staatlichen Schuldendienstes, Zinsquoten und erforderliche Nettokreditaufnahme, Export Über- und Unterschüsse sowie maximale Größe staatlicher Budgets, sofern es überhaupt noch souveräne Nationalstaaten gibt: denn die übertragen so nach und nach alle Funktionen auf die UN und deren Unterorganisationen, wie den EU- oder ASIA-Block, sowie deren Transferleistungen an andere Länder durch die UN-Weltpunktetransferstelle.

Der Vorteil digitaler und biometrisch signierter Punkte für das Grid liegt auf der Hand. Dort gibt es auch keinen Punkteklau mehr. Denn die Digitalisierung und Verschlüsselung beruht auf einem Algorithmus der am MIT entwickelt wurde. Selbst der schnellste Super-Cluster Rechner der Welt mit 550,8 NonaFLOPS bräuchte Jahre um auch nur einen Punkt zu knacken! Denn jeder Punkt ist anders verschlüsselt. Kein Mensch weiß genau wie das geht, nur die vom MIT und den Leuten bei der Punkteproduktionsstätte auf Long Island. Jeder Mathematiker und Informatiker hat zum Hobby, das zu knacken. Wenn man nur das Basisprinzip kennen würde? Selbstredend wird der Algorithmus ständig weiterentwickelt, sodass er der Geschwindigkeit der Rechner im voraus ist. Doch wer verfügt schon über einen so schnellen Rechner?


„Was nehme ich noch wichtiges mit?“, überlegte Charlize. Den mobilen Grid-Kommunikator mit Sicherheitsfunktionen. Der hat immer zu den Satelliten Kontakt und kann einen Notruf absetzen.

Meine digitalen Ausweise natürlich, warum man die noch braucht weiß ich auch nicht so genau. Aber sicher ist sicher, denken sich wohl auch die Behörden. Schnell noch meine Allzwecktasche und los geht’s.

Charlize verlies ihre Wohnung. Sie wohnte im südlichen Teil von München. In einem der neueren Wohnblocks im 46. Stock überirdisch. Für die tiefen unterirdischen Etagen hatte sie nicht soviel übrig. Am MIT kam sie jedoch nicht darum herum. Dort sind viele Labors tief unter der Erde. Teils aus Sicherheitsgründen, teils aus Platzgründen.

Heutige Megacities haben Einwohnerzahlen von über 100 Millionen Menschen und Klonen. Die Skyline des New York der 90er Jahre würde man heute als ein Vorstädtchen bezeichnen. Heutige Skyscraper haben eine Höhe von bis zu 4,5 Kilometern. Sie sind erdbebensicher, statisch perfekt austrahiert durch beispielsweise eine schwere Massekugel die im Innern phasenverschoben mitschwingt. Die modernsten von diesen übergroßen Buckminster-Fuller-Exo-Architekturen verfügen über ein EM-Feld, welches sich aus mehrfach redundanten Energiequellen speist. Diese kleinen Städte für sich sind aufgeteilt in Bürobereiche, Wohnbereiche, Shopping-Zones sowie Wellness- und Erlebnisbereiche. Sie verfügen natürlich über moderne Lichtspieltheater, Senkrechtgleiterlandeplätze, Sicherheits- und Rechenzentren oder Rohrpostbahnhöfe.

Terroristen, soweit es sie noch gibt, habe keine Chance mehr. Diese Skyscraper sind eine waffenstarrende Festung. Eine eigene Luftabwehrbatterie auf dem Dach und eine eigene Wacharmee mit modernster Ausrüstung und ein nicht zu knackendes Sicherheitssystem, welches das Gebäude im Nu abschotten kann, von innen und von außen, sind im Jahr 2095 selbstverständlich.

Ausserdem gibt es kaum noch Terroristen. Es gibt kaum noch arme Regionen auf der Welt, sodass dieser Nährboden entzogen wurde. Extremisten und Fundamentalisten unter ihnen sind auch fast ausgestorben. Es war das gemeinsame Verdienst vom ehemaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Scott Davenport, der in seiner Amtszeit von 2042 bis 2054 gemeinsam mit der UN und dem Regierungsrat der Europäischen Union zunächst Fehler in der Außenpolitik einräumte, und auf eine Politik der Versöhnung und des Ausgleichs mit den Islamisten betrieb. Der damalige Irakische Präsident Al-Awar El Lakurdi unterstützte diese Bestrebungen und vermittelte zwischen Christen und Moslems.

Jau, dachte Charlize, während sie den Turbolift nach untern nahm, das alles wäre nicht möglich gewesen, wenn sich die Rahmenbedingungen nicht geändert hätten. Die Energiesorgen der Menschheit bestanden nicht mehr. Seit dem Jahr 2048 wurden kommerzielle Kernfusionsreaktoren gebaut, auf der ganzen Welt. So eine Megastadt kann man jeden Tag mit Lithium bzw. Deuterium und Tritium oder Helium 3 vom Mond versorgen. Es gibt weniger Abfälle mit Halbwertszeiten von 100 Jahren oder wenig mehr. Natürliches Öl gibt es immer noch, viele Oil-Wells haben sich wieder von alleine aufgefüllt. Der abiotische Ursprung des Öls wurde bestätigt, keine Futures Kontrakte mehr an der NYMEX, kein Peak-Oil mehr, kein Öl-Terrorismus mehr. Hätte man Anfang des Jahrhunderts doch nur den Ergebnissen von Cassini-Huygens auf Titan vertraut!

 

Der Punkteplan. Kapitel 2.

geschrieben von Sternau \\ tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Jun 15

Hallo Science Fiction Freunde und Freunde einer Diskussion die sich beschäftigt mit dem Thema: Kapitalismus „Quo Vadis“, gibt es einen dritten Weg?

Im Zuge der Finanzmarktkrise ist diese Diskussion sehr aktuell. Der Punkteplan zeigt einige alternative Formen der Leistungsvergütung und der Kapitalverwendung aufund bietet gleichzeitig spannende Unterhaltung. Er beschäftigt sich auch mit zukünftigen sozialen Systemen und geht der Frage nach, ob das Vertrauen in die Menschheit und unter den Menschen wieder hergestellt und erhalten werden kann.

Weiterhin beschäftigt sich der Punkteplan mit zukünftigen Technologien und Wissenschaften.

Der Roman ist noch unvollendet und bietet Platz für eigene Fortsetzungsvorschläge.

Es ist beabsichtigt, den Roman damit dann in absehbarer Zeit fertigzustellen, sodass er als Ergebnis eines interaktiven Internet-User Dialoges gesehen werden kann.

Für die Einordnung soll noch gesagt werden, dass das Entstehung-Datum das Jahr 2004 war. Heute (2017) würde ich mit verbessertem Wissen einiges konkreter oder anders beschreiben, denke jedoch, daß der historische Bezug wichtiger ist.

Beispielsweise: Wie hat jemand über mögliche zukünftige Entwicklungen im Jahr 2004 gedacht? Wobei ich noch anmerken möchte, dass man keine Rückschlüsse ziehen sollte, z.B. auf eine Bewertung.

Und nun viel Spass mit dem „Punkteplan“ ….

Die Rechte dieses Romans liegen bei dem Verfasser: Oliver Thewalt, Neogrid e.V.
Saarbrücken. 

 

geschrieben von Sternau \\ tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

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