Dez 09

The SIMILE Project

Semantic Interoperability of Metadata and Information in unLike Environments

Neogrid und intelligente Suchanfragen:

Der Name leitet sich ab aus Neo und The Grid, einer zukünftigen Entwicklung des Internet, bei der komplexe Suchanfragen möglich sein sollen. Im Grid wird also semantisches Suchen möglich sein. Vorläufer gibt es schon heute: das Simile (Semantic Interoperability of Metadata and Information in unLike Environments) Projekt des Massachusetts Institute of Technology. Semantische Suchmaschinen sind eine zukünftige Anwendungsform im Internet.

Hier stellen wir kurz das SIMILE Projekt des MIT vor:

SIMILE is a joint project conducted by the MIT Libraries and MIT CSAIL.

SIMILE seeks to enhance inter-operability among digital assets, schemata/vocabularies/ontologies, metadata, and services. A key challenge is that the collections which must inter-operate are often distributed across individual, community, and institutional stores. We seek to be able to provide end-user services by drawing upon the assets, schemata/vocabularies/ontologies, and metadata held in such stores.

SIMILE will leverage and extend DSpace, enhancing its support for arbitrary schemata and metadata, primarily though the application of RDF and semantic web techniques. The project also aims to implement a digital asset dissemination architecture based upon web standards. The dissemination architecture will provide a mechanism to add useful „views“ to a particular digital artifact (i.e. asset, schema, or metadata instance), and bind those views to consuming services.

To guide the SIMILE effort we will focus on well-defined, real-world use cases in the libraries domain. Since parallel work is underway to deploy DSpace at a number of leading research libraries, we hope that such an approach will lead to a powerful deployment channel through which the utility and readiness of semantic web tools and techniques can be compellingly demonstrated in a visible and global community.

The SIMILE Project and its members are fully committed to the open source principles of software distribution and open development and for this reason, it releases the created intellectual property (both software and reports) under a BSD-style license.

The SIMILE Project Team Members gladly welcome community efforts and would particularly like to recognize SIMILE’s contributors.

Quelle: SIMILE
MIT

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Jun 19

Kapitel 1

Charlize wachte auf und schüttelte sich. Die letzte Nacht war anstrengend gewesen. Ohhhhh man, diese Designer Drogen! Sie erinnerte sich nicht mehr an deren Bezeichnung. Der Kopf dröhnte. Viel stechender war der Erinnerungsschmerz um deren Finanzierung. Ja genau, damals im Jahr 2082 hat der Regierungsrat der Europäischen Union das Geldwesen revolutioniert. Früher dachte man, der Clou der Zeit bestehe in der Veröffentlichung der Kennedy-Akten, doch heute interessiert das fast niemanden mehr – es steckten eh alle üblichen Verdächtigen mit drin. Die US-amerikanische Regierung ist genau wie die Regierung der Europäischen Union im Begriff einige wesentliche Funktionen an die UNO abzugeben.

Naja, wen interessiert das schon. Charlize stand auf und bediente den Kaffeehydratisator. Eine Trockenpille rein – Zisch – Pfft – Blubber … und das Koffein-Gesöff war fertig, bereit die Reise in die Venen anzutreten, oral versteht sich. Die vielen Nanohelfer werden schon keinen Kalk zulassen   ….   Jipppeijeeye, ein Hoch auf die Technik!

Nur Kaffeehydratisierungspillen, ja genau, die konnte man nicht mit denselben Punkten bezahlen wie Designer Drogen oder die Miete oder Weiß-der-Kuckuck was für´n Zeug. So war das nämlich, dachte Charlize, halb begeistert, halb ungläubig    ….. die Jungs von der UN haben doch tatsächlich die Kohle in Ihrer herkömmlichen Form abgeschafft!

Ja, seit dem Punkte-Gesetz der UN in seiner Fassung des Europäischen Regierungsrates vom 01.07.2082, Ausarbeitung der damaligen EZB wurde der Euro durch Punkte ersetzt. Und das weltweit! Kein Greenback mehr, kein Yen, kein Rand kein nichts mehr. Nur noch diese verflixten Punkte^^!

Charlize sah sich im Holospiegel an – Wau, der Hintern war noch recht knackig für ihre 38 Lenze, die Brüste, nun ja, nicht zu groß, nicht zu klein aber kein Volumenkissen drin! Der Holospiegel spuckte alle Blutwerte aus: Cholesterin OK, Zucker OK, LDL/HDL OK, kein Krebs, kein Aids und auch keinen Springmaus-Jelzner Virus  …. Yeah, you got it babe!

Jetzt wird schnell das Grid angeschmissen um zu sehen, was die Aktienkurse so machen. Der Kaffeehydratisator war in der Nähe und leitete über das wohnungseigene Netzwerk den Befehl zum starten des Quantencomputers weiter. Jaja, dieses altmodische Ding, für einen Gen-Rechner hat es noch nicht gereicht. Außerdem reicht der für meine Zwecke aus. 150 QuBit sollten eigentlich genügen, kicherte sie.

Das Grid öffnete sich, und über ihre persönlichen Einstellungen erfuhr sie, dass sie für diesen Monat noch über 385 Lebensmittelpunkte, 65 Kulturpunkte, 123 Transportpunkte, 39 Alkoholpunkte, 300 Jokerpunkte – streng gebunden natürlich-. 15 Antimietpunkte, 150+ medizinische Punkte, 5 Sonderpunkte von der Gesundheitsbehörde für staatlich geförderte Designer Drogen, 567 Bildungspunkte, jährlich abbuchbar, 200 allgemeine Beratungspunkte, 345 Alimente Punkte für ihre 8-jährige Tochter Amily und ihren 12-jährigen Sohn Ken, und 209 Punkte für ihren allgemeinen Bedarf, die über eine kontrollierte Umtauschfunktion aufwiesen, verfügte. Achja, die brauche ich auch, denn meine Mietpunkte sind bei 15 Antipunkten angelangt.

Charlize wählte sich über das Grid in die lokale Station der Südwestdeutschen Transfergesellschaft (SWT) ein. Schnell die Genehmigung einholen um 15 Allgemeinbedarfspunkte in Mietpunkte umzuwandeln. Und Bingo, die 15 Punkte wurden auf das Konto der Wohnraumbeschaffungs- und Vermittlungsgesellschaft der Europäischen Medien-und Bildungssocietät transferiert und transformiert.

Das wäre geschafft. Charlize ging zum Nahrungsgenerator. Sie schaute nach, ob der Vorrat an Genmaterial und RNA noch ausreichte und bestellte dann einen gemischten Salat, einen Orangensaft und Ham & Eggs. Pflusch machte es, der Nahrungsgenerator gab grünes Licht. Hmm, das schmeckte … gar nicht so richtig?

Denn mit einem lauten Pfeifen spuckte das Grid ihren automatisch getriggerten Punkte Hebesatz aus: Er ist um 0,5 % auf den Faktor 1,45 gesunken, da sie versucht hatte, Lebensmittel DNA an die Computer- und Designerdrogen- Industrie zu verkaufen.

Sie verfluchte die Zweite Unabhängige Europäische Punktetransferstelle (ZUEPT). Deren gab es drei in Europa. Die UEPTs sind genau wie ihre Pendants in Asien, Amerika und Afrika dafür zuständig, die Hebesätze für das Verdienen von Punkten zu bestimmen. Diese Gesellschaften sind unabhängig, werden von der UN-PT und den Unabhängigen Punktevertrauensmännern (UPVM) kontrolliert. In jedem Ortskreis im deutschen Teil der EU gibt es mehrere PVMs. Sie tun dasselbe wie die PTs, sie rechnen den Hebesatz fürs Verdienen aus.

Uff, die Microsoft Aktien sind leicht gestiegen. Jedenfalls die der eigenständigen Microsoft Open-Source AG Europa. Das macht die Hebesatz Misere fast wieder gut! Es war schon eine wahnsinnige Idee das Geld abzuschaffen und durch Punkte zu ersetzen, seufzte Charlize vor sich hin. Ab sofort verdiente man nicht nur nach dem Leistungsprinzip, oder nach dem Egotrip – und Arschlochprinzip, ergänzte Charlize mit bebender Stimme, sondern es fließen andere Bewertungskriterien mit ein.

Der Punkte-Hebesatz, durch den man mehr als 100 Prozent seines Grundgehaltes verdienen kann, wird bestimmt durch Charaktereigenschaften, soziales Engagement, nützliche Tätigkeiten für die Allgemeinheit wie Schaffung von Kultur oder die Entwicklung zukunftsträchtiger Ideen, Fürsorge für die eigene Familie, Kriminalstatistik und Sonderbereiche.

Die Entscheidung, wie der Hebesatz ausfällt wird in Europa von den Unabhängigen Europäischen Punktetransferstellen und den Unabhängigen Punktevertrauensmännern getroffen. Die 3 UEPTs und die UPVMs überwachen sich gegenseitig. Eine Veränderung im Hebesatz von über 0,25 % muss einstimmig erfolgen, es sei denn, es liegen außergewöhnliche Faktoren vor. Wenn jemand sich besonders im guten Sinne hervortut kann von ihm eine Eingabe beim nächsten UPVM gemacht werden und im Eilantrag von den mindestens 3 zuständigen UPVM und der jeweils zuständigen UEPT entschieden werden. Bei entsprechend negativ zu bewerteten Verhalten ist das Gremium aus Vertretern der lokalen UEPT und der UPVM zuständig.

Um das zu begreifen gingen an der Schule meine ersten Bildungspunkte drauf, sinnierte Charlize. Doch was für ein berauschendes Gefühl war das, als sie im zarten Alter von 9 Jahren begriff, daß sie mit 25.000 Bildungspunkten schon geboren worden war!

Da Ihr Vater eine Vater-Kind Übertragung des vererblichen Hebesatz-Faktors für Geborene ab dem Jahr 2040 von 1,12 bei der UEPT geltend machen konnte, stiegen alle Pränatalen Punkte, und natürlich nur ausschließlich die um eben den Faktor 1,12. Leute mit weniger begabten Vätern durften immer noch den europäischen Durchschnitt beantragen, der betrug im Jahr 2095 1,07.

Der europäische Durchschnitt errechnete sich nicht nur aus dem Durchschnitt des vererblichen pränatalen Hebesatzes, sondern auch aus der gegenwärtigen volkswirtschaftlichen Lage, dem Produktivitätsniveau, aber auch aus dem statistischen Sozialfaktor. Dieser Sozialfaktor, rezitierte Charlize von vom Grid-Nodepoint der Hebesatz-Implementierungs- und Kontrollkommission in Amsterdam, berechnet sich aus dem allgemeinen Charakter und Social-Behavior Index, der Kriminalstatistik und Sonderfaktoren.

„Nun ja, das ist alles … “ ein schrilles „JiiiJu JiiiJu“ unterbrach Charlize in ihren Überlegungen. Der Wohnungskommunikator des 24h-Bereitschaftsgrid öffnete einen Kanal auf ihrem altmodischen Plasmawandschirm, direkt gegenüber der Schreibtischecke. Für einen Holoschirm hatte sie noch nicht soviel übrig. Die Dinger versprachen eh noch nicht das, was man in den alten Star Trek Folgen anpries. Aber so sicher war sie sich da auch nicht. Die modernen Serien mochte sie lieber.

„Hallo Zed“ krächzte Charlize, nachdem sie die Bildmute-Taste gedrückt hatte. „Ich muss mir noch schnell meinen Morgenmantel anziehen!“

„Macht nichts“ konterte Zed, „ich weiß noch von vorletzter Nacht, wie Du aussiehst!“

Charlize schaute etwas verlegen Richtung der Human-Recognition-Device und betätigte abermals die Bildmute-Taste.

„Nun Zed, ich bin noch ein bisschen geschafft von gestern, was gibt’s denn so dringendes, dass Du ich am Mond-Tag so früh um 9:30 Uhr anrufst?“

„Nun, ich wollte mit Dir darüber reden, was wir letztens besprochen haben, Du weißt schon, Deine Zukunft als Gentechnikerin?“

Charlize war nicht erfreut. So früh schon solch ernste Gespräche. Sie nippte am Kaffee und nahm den Zigarettomat in die Hand. Ein Knipps und man konnte garantiert schadstofffrei rauchen. Das Nikotin war auf „Intern Eliminieren“ eingestellt. Das übernahmen die Nanobots.

Charlize blies den Plasma-Rauch in den Raum. Der Ansauger erledigte den Rest. Tja, in diesen hochmodernen Wohnblocks die ab 2075 gebaut wurden, war nichts dem Zufall überlassen worden: Klimaanlagen, Phasensynchronisation mit Einbezug aller möglichen natürlichen Phänomene wie Magnetfelder, Erdbeben-, Tsunami- und Twisterwarnung, solare CMEs und Sunspots, lunare Gravitation, biometrische Messgeräte um Punkte zu individualisieren,… .

„Nun, was denkst Du“, unterbrach Zed sie ein wenig harsch.

„Ich frage mich, welche Designer Droge wir gestern genommen haben ?“

„Ja, das ist eine gute Frage!“; grinste Zed. „Die war nicht leicht zu beschaffen und ziemlich teuer. Ich glaube sie hieß HIE-AC2. Das steht für Human Immune Evolution – Addiction Compensation 2.

Das ist das Neueste vom Neuesten. Die Bayer Labs stellen das her. Ist sowohl geeignet für Süchtige als auch für Nicht-Süchtige. Süchtige werden dadurch langsam entwöhnt. Die Nicht-Süchtigen haben keine Suchtgefahr oder Nebenwirkungen zu befürchten. Ist ein genetischer Faktor. Oder auch Hammer“, lachte Zed. „Aber Du wolltest doch was anderes machen als so ein Zeug zu entwickeln, oder?“

„Genau“, hauchte Charlize.

„Zzzzzt, Bliiip“ machte es. Ein zweites kleines Bild öffnete sich auf dem Plasma- Schirm.

„Hallo Mama“ sagte Ken.

„Hallo Ken, wie geht’s Dir, was gibt’s“ nuschelte Charlize und drückte auf Mono-Mute.

„Nun, heute am Wochenbeginn sollte ich eigentlich am Schul-Grid arbeiten. Ich habe aber irgendwie gar keine Lust. Ich freue mich schon auf die Aufzugsfahrt zum Erdorbit und den Besuch von „Zukunftswelt“ auf dem Mond. Seitdem Pappa auf dem Mond arbeitet ist dort für uns fast alles möglich geworden. Das lässt mir irgendwie keine Ruhe….“

„Kann ich verstehen, Ken“, antwortete Charlize, „aber ich habe gerade ein wichtiges Gespräch auf dem anderen Kanal. Ich schicke Dir ein paar Grid-Punkte, da kannst Du dir ein schönes 3D-Holo Rollenspiel aussuchen. Ich rufe später zurück.“

„Au klasse! Bis später Mama.“

Das Mono Mute löste sich automatisch, als Ken aus dem Kanal ging. Charlize nahm einen kräftigen Zug vom Zigarettomat. So ein Ding verfügte über eine Kapazität von 15.000 Zigaretten. Sogar die Marke konnte man einstellen.

„Nun Zed, ich habe darüber nachgedacht. Ich werde nächsten Monat beim MIT anfangen. Unser Ziel ist es, den Homo Sapiens genetisch so zu verändern, dass möglichst viele Anachronismen welche aus unserer Entwicklungsgeschichte unter Einbezug unserer Humanoiden und tierischen Vorfahren sowie der Mikroorganismen ausgemerzt werden. Zunächst konzentrieren wir uns auf das Aggressionsverhalten und die hormonelle Steuerung. Der präfrontale Cortex soll als rationaler Taktgeber bestärkt, das Stammhirn entsprechend angepasst werden.“

„Weißt Du“, führte Charlize weiter aus, „wir müssen viel am N-QGate-Vortex simulieren, wir simulieren auch mit künstlichen Klonen. Diese Klone wurden nicht geboren. Sie wurden künstlich hergestellt, wie Dummies. Dafür haben sie aber kein echtes Bewusstein. Das übernimmt der Human-Simulation Cluster. Man, der verfügt über komplex konjugierte 680 YottaFLOPS in jeder seiner 64^64^128 Q-Gates nach der Bounded Quantum Error Correction Welleneliminierung! Das sind 2 ^ 80 * 680 Fließkommaoperationen pro Sekunde für theoretisch jede einfache QGate Anmessung im AdS5-Phasenraum.“

„Ist ja voll geil“, sülzte Zed, „dann verabschiedest Du dich vom Projekt ‚Ernährungsumstellung auf Kunstnahrung‘?“

„Ja, in jedem Fall“, antwortete Charlize, „ohne Verdauungsapparat auskommen zu können wäre schon interessant… „, sinnierte sie, “ …wie viele Krankheiten könnte man da von vorneherein eliminieren?! Ernährung könnte damit auch günstiger werden. Die nächste Stufe schockt mich dann aber schon!“

„Klar“, führte Zed den Gedanken fort, „kann das Gehirn allein existieren, in einer entsprechenden technischen Umwelt, die Quasi-Unsterblichkeit… Aber das ist noch Science Fiction“.

„Ich weiss, Zed, das glaubten unsere Eltern von dem was wir heute machen auch! Ein intelligenter Mensch hatte mal gesagt, daß Science Fiction die wahre Wissenschaft sie, schon weil sie sich mit der Zukunft beschäftigt, doch eigentlich geht es dabei nicht primär um das Verhältnis Mensch-Technologie oder ähnliches, sondern um das Schicksal der Menschen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft….“

„Klar, und Deckard war ein Replikant…“.

„Jedenfalls habe ich das Angebot vom Massachusetts Institute of Technology definitiv angenommen. Jetzt zahlt sich das Gentechnologie-Studium aus. Meinen letzten Nebenjob als Mediengestalter des Internet 3 und dessen globaler Nachfolger, dem Grid, gebe ich auf. Hmm, meine Gridkenntnisse zur optimalen Formulierung komplexer Suchanfragen kann ich dabei gut gebrauchen.“

„Ja klar. Aber ziehst Du jetzt nach Cambridge in Massachusetts?“

„Nein, vorerst nicht. Ich benutze die transatlantische Rohrpostverbindung. Die fahren jetzt mit 5500 km/h. Das geht ruckZug. Aber ich fahre nicht jeden Tag rüber. Hauptsächlich am Wochenende komme ich zurück. Dort gibt es Scientific Staff Housings. Später, wenn alles gut läuft, nehme ich mir dort eine Wohnung.“

„Das finde ich alles waaaaahnsinnig toll!“, kommentierte Zed.

„Ja, ich auch.“ pflichtete Charlize bei.

„Das Grid als Nachfolger des Internet 3 ist schon toll. Jetzt kann man da einfach bei den Suchmaschinen ganze Sätze als Fragen formulieren und bekommt eine maßgeschneiderte Antwort. Sogar in einer Form, wie sie vorher im Netz nicht vorhanden war. Ich denke, Charlize, deine Kenntnisse auf diesem Gebiet werden dir bei Deinen Forschungsarbeiten helfen. Und…“

….. „Ding Ding“  ….. machte es.

„Oh, meine Kommunikationspunkte sind abgelaufen, Charlize. Ist leider kein kostenloses Ortsgespräch. Kannst du mir ein paar Kommunikationspunkte ausleihen?“

„Mein Punkte-Bioscan-Binder ist defekt. Ich kann die Kommunikationspunkte im Augenblick nicht von meiner Biosignatur lösen. Toll, geklaut werden können sie mir damit auch nicht. Aber weitergeben würde niemandem was bringen. Die sind einfach wertlos für jeden außer mir! Ich werde mal die biometrische Signatursynchronisation überprüfen lassen! Bis heute Abend musst du noch warten. Mein NanoID Scanner sagt mir, dass Du in Frankfurt bist. Danke, dass du mir Deine Frequenzen freigegeben hast! Was machst’n Du in Frankfurt?“

„Nun, so dies und das, hauptsächlich Designer Drogen verticken.“ witzelte Zed. “ Nee, ich nehme an der diesjährigen IJCAI, der International Joint Conference on Artificial Intelligence teil. Mein Themengebiet ist: ‚Intelligenzverstärkung durch Chipeinpflanzung ins menschliche Gehirn’. Möglicherweise lässt sich das Ding ja tunen, hahahhaaa“.

„Smile, Bei Dir aber nicht, denn Du verfügst über kein selbstorganisierendes Prinzip, wenn man mal von Deinen Punkten absieht“.

„Ho Ho Ho!“, konterte Zed.

„OK, Zed, ich muss jetzt Schluss machen. Wir können ja heute Abend noch mal quatschen. Tschau!

„Tschüss Charlize, und halt die Ohren steif!“

„Versteht sich!“

Charlize erledigte die Morgentoilette und zog sich an. Ganz normale Klamotten. Ohne Chip! Der ständige Rechnerkontakt nervte nämlich. Sie kramte sämtliche Nano-Chips aus den Taschen und lies sie löschen. Die Dinger konnte man für viel schöneres verwenden. Zum Beispiel zum Identitätsklau. Oder um eventuelle Nachspionierer in die Irre zu führen. Oder zum Aufbau einer Zweitidentität? Doch die UVPMs und die UEPTs konnte man damit nicht narren. Die überprüften die eigenen Angaben wenn nötig mit anderen Mitteln. Keiner weiß genau wie und womit. Doch das, so schwor sich Charlize, würde sie auch noch herausfinden.

Kann man denen denn vertrauen? Ja über mögliche Formen des Vertrauens, wie man es sich verdient und was man damit anfängt ließe sich auch prächtig forschen. Ob das was mit Evolution zu tun hat? Bestimmt! Ihr Großvater erzählte ihr damals immer wieder die Story von Nick Leeson und der Baringsbank. Er sagte zu ihr: „Charlize, wenn die sich hätten vertrauen können, also wenn Nick hätte sagen können, dass er einige Millionen in den Sand gesetzt hat, ohne befürchten zu müssen abgeschossen zu werden, dann hätte er nicht weitere Risikopositionen eingehen müssen, mit denen er vergeblich versuchte alles glatt zu stellen.“

Tja, da kam ihm so ein Erdbeben in die Quere, erinnerte sich Charlize, dann war es um seine Spekulationen endgültig geschehen … die Baringsbank ging pleite!  Heute gibt’s ja keine Banken mehr in der Form. Und pleite gehen können die so ohne weiteres auch nicht mehr. „Das geht aber nur über Vertrauen“ hörte Charlize immer noch ihren Großvater sagen, “ … hörst Du Charlize? Wer gutes denkt, der gutes empfängt und gutes triggert“ Das ist mein Wahlspruch.“

Toll, toll, nur wem kann man heutzutage noch vertrauen? Und wer interessiert sich schon für einen als Mensch? Nun ja, ich muss diese Gedanken ein anderes Mal zu Ende denken, entschloss sich Charlize.

Was mache ich jetzt als nächstes? Mit den MIT Leuten die Vorbedingungen besprechen? Oder zum Tag der offenen Tür bei der Microsoft Betriebssystem Division rein Schneien? Noch habe ich ein paar freie Tage. Ich gehe erst mal etwas bummeln!

Charlize steckte sich alles ein, was man in der Stadt so braucht. Da ist der biosignierte Punktetransformer. Dies ist ein kleines, handliches Gerät mit welchem man überall bezahlen kann. Die Punkte, mit welchen es aufgeladen ist, sind mit biometrischen Merkmalen personifiziert. Am gebräuchlichsten sind der Iris-Scan der Augen und seit neuestem, der absolute Hammer, ein genetischer Fingerabdruck. Dazu hat das Gerät eine kleine Öffnung, in die man beispielsweise ein Haar reingeben kann, man kann auch reinspucken, und schon kennt das Gerät den genetischen Fingerabdruck des Besitzers. Vornehme Leute lassen das von der lokalen Station einer Punktetransferstelle machen und übernehmen in ihren portablen Geräten die Signatur.

Das vom internen BioScan-Grid angetriggerte Repair & Save Programm hatte seine Arbeit erledigt, die Biosignaturen waren wieder synchronisiert, Charlize war wieder „flüssig“.

Jedenfalls wenn man bezahlen, oder heutzutage sagt man, wenn man Punkten, möchte, lässt man das Gerät seine Identität überprüfen, dazu ist der Iris-Scan immer noch am praktischsten, und erlaubt den Punkten auf das entsprechende Gerät des Empfängers überzuspringen, und dessen Biosignatur anzunehmen. Man nennt das „transferieren und transformieren“ oder DoubleTrans, wie die Amis sagen.

Falls man sein Gerät verliert, so kann man das bei der entsprechenden Punktetransferstelle melden. Ein etwaiger Dieb kann jedoch rein gar nichts damit anfangen, denn alle Punkte haben eine digitale, biometrische Signatur des Besitzers. Diebstahl ist gegen Ende des 21.Jahrhunderts, jedenfalls was Zahlungsmittel angeht, fast unmöglich.

Ach, ist eigentlich schon erwähnt worden dass es keine physischen Punkte (früher, als es noch den Euro gab nannte man es Bargeld) mehr gibt? Alle Punkte sind digital, weltweit. Es gibt also keine Währungsrisiken mehr. Der genau Bestand an Punkten, weltweit, wird von der Punktetransferstelle der UN (UN-PT) täglich ermittelt. Da alles digital ist, können sämtliche Punktebewegungen aufgezeichnet werden. Der Super-Punkte-Cluster Rechner der Punktetransferstelle der UN, und natürlich auch der der europäischen Punktetransferstellen, bestimmt exakt alle wirtschaftlichen Risiken und Erfordernisse wie Inflation- oder Deflationsgefahren, Wirtschaftswachstum und Stagflations-Szenarien, Leitzinsen, Verschuldungsgrade, Eigenkapitalquoten im Vergleich zu wirtschaftlichen Kenngrößen und Handelsbilanzen,  Grad des staatlichen Schuldendienstes, Zinsquoten und erforderliche Nettokreditaufnahme, Export Über- und Unterschüsse sowie maximale Größe staatlicher Budgets, sofern es überhaupt noch souveräne Nationalstaaten gibt: denn die übertragen so nach und nach alle Funktionen auf die UN und deren Unterorganisationen, wie den EU- oder ASIA-Block, sowie deren Transferleistungen an andere Länder durch die UN-Weltpunktetransferstelle.

Der Vorteil digitaler und biometrisch signierter Punkte für das Grid liegt auf der Hand. Dort gibt es auch keinen Punkteklau mehr. Denn die Digitalisierung und Verschlüsselung beruht auf einem Algorithmus der am MIT entwickelt wurde. Selbst der schnellste Super-Cluster Rechner der Welt mit 550,8 NonaFLOPS bräuchte Jahre um auch nur einen Punkt zu knacken! Denn jeder Punkt ist anders verschlüsselt. Kein Mensch weiß genau wie das geht, nur die vom MIT und den Leuten bei der Punkteproduktionsstätte auf Long Island. Jeder Mathematiker und Informatiker hat zum Hobby, das zu knacken. Wenn man nur das Basisprinzip kennen würde? Selbstredend wird der Algorithmus ständig weiterentwickelt, sodaß er der Geschwindigkeit der Rechner im voraus ist. Doch wer verfügt schon über einen so schnellen Rechner?

„Was nehme ich noch wichtiges mit?“, überlegte Charlize. Den mobilen Grid-Kommunikator mit Sicherheitsfunktionen. Der hat immer zu den Satelliten Kontakt und kann einen Notruf absetzen.

Meine digitalen Ausweise natürlich, warum man die noch braucht weiß ich auch nicht so genau. Aber sicher ist sicher, denken sich wohl auch die Behörden. Schnell noch meine Allzwecktasche und los geht’s.

Charlize verlies ihre Wohnung. Sie wohnte im südlichen Teil von München. In einem der neueren Wohnblocks im 46. Stock überirdisch. Für die tiefen unterirdischen Etagen hatte sie nicht soviel übrig. Am MIT kam sie jedoch nicht darum herum. Dort sind viele Labors tief unter der Erde. Teils aus Sicherheitsgründen, teils aus Platzgründen.

Heutige Megacities haben Einwohnerzahlen von über 100 Millionen Menschen und Klonen. Die Skyline des New York der 90er Jahre würde man heute als ein Vorstädtchen bezeichnen. Heutige Skyscraper haben eine Höhe von bis zu 4,5 Kilometern. Sie sind erdbebensicher, statisch perfekt austrahiert durch beispielsweise eine schwere Massekugel die im Innern phasenverschoben mitschwingt. Die modernsten von diesen übergroßen Buckminster-Fuller-Exo-Architekturen verfügen über ein EM-Feld, welches sich aus mehrfach redundanten Energiequellen speist. Diese kleinen Städte für sich sind aufgeteilt in Bürobereiche, Wohnbereiche, Shopping-Zones sowie Wellness- und Erlebnisbereiche. Sie verfügen natürlich über moderne Lichtspieltheater, Senkrechtgleiterlandeplätze, Sicherheits- und Rechenzentren oder Rohrpostbahnhöfe.

Terroristen, soweit es sie noch gibt, habe keine Chance mehr. Diese Skyscraper sind eine waffenstarrende Festung. Eine eigene Luftabwehrbatterie auf dem Dach und eine eigene Wacharmee mit modernster Ausrüstung und ein nicht zu knackendes Sicherheitssystem, welches das Gebäude im Nu abschotten kann, von innen und von außen, sind im Jahr 2095 selbstverständlich.

Ausserdem gibt es kaum noch Terroristen. Es gibt kaum noch arme Regionen auf der Welt, sodass dieser Nährboden entzogen wurde. Extremisten und Fundamentalisten unter ihnen sind auch fast ausgestorben. Es war das gemeinsame Verdienst vom ehemaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Scott Davenport, der in seiner Amtszeit von 2042 bis 2054 gemeinsam mit der UN und dem Regierungsrat der Europäischen Union zunächst Fehler in der Außenpolitik einräumte, und auf eine Politik der Versöhnung und des Ausgleichs mit den Islamisten betrieb. Der damalige Irakische Präsident Al-Awar El Lakurdi unterstützte diese Bestrebungen und vermittelte zwischen Christen und Moslems.

Jau, dachte Charlize, während sie den Turbolift nach untern nahm, das alles wäre nicht möglich gewesen, wenn sich die Rahmenbedingungen nicht geändert hätten. Die Energiesorgen der Menschheit bestanden nicht mehr. Seit dem Jahr 2048 wurden kommerzielle Kernfusionsreaktoren gebaut, auf der ganzen Welt. So eine Megastadt kann man jeden Tag mit Lithium bzw. Deuterium und Tritium oder Helium 3 vom Mond versorgen. Es gibt weniger Abfälle mit Halbwertszeiten von 100 Jahren oder wenig mehr. Natürliches Öl gibt es immer noch, viele Oil-Wells haben sich wieder von alleine aufgefüllt. Der abiotische Ursprung des Öls wurde bestätigt, keine Futures Kontrakte mehr an der NYMEX, kein Peak-Oil mehr, kein Öl-Terrorismus mehr. Hätte man Anfang des Jahrhunderts doch nur den Ergebnissen von Cassini-Huygens auf Titan vertraut!

 

Der Punkteplan. Kapitel 2.

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